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Museumsprojekte in Abu Dhabi : Das Wichtigste aus der Menschheitsgeschichte

Budgets werden gekürzt, erste Ausschreibungen wieder zurückgenommen: Abu Dhabis hochfliegende Museumsprojekte müssen Federn lassen, aber sind in ihrem Bestand nicht bedroht.

          Haben Sie etwa noch nichts vom Berliner Flughafen Schönefeld gehört? Verzögerungen, ja, die gibt es doch überall beim Bau großer Prestigeprojekte, in Deutschland wie in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Diese Erfahrungen machen nun bei der Abu Dhabi Tourism and Culture Authority auch die Herren in den weißen Kunduras und die Frauen in den schwarzen Abbayas. Nicht immer wird die Häme jedoch gleichmäßig ausgeschüttet.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Manche westliche Medien haben Abu Dhabis hochfliegenden Museumsprojekten schon das „Aus“ vorausgeschrieben. Gewiss, die Euphorie, mit der bei der Bekanntgabe des Louvre von Abu Dhabi und des Guggenheim am Golf noch alles in Siebenmeilenschritten machbar schien, ist selbst in der ölreichen Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate inzwischen einem nüchternen Realismus gewichen. Budgets wurden gekürzt, erste Ausschreibungen zurückgenommen. Zunächst hatten sich die emiratischen Verantwortlichen auch bei den Museumsprojekten von internationalen Consultants vieles einreden lassen, was nicht superlativ und teuer genug sein konnte. Heute streckt sich auch Abu Dhabi, das viel Geld zur Rettung Dubais auszugeben hatte, nach einer immer noch bequem langen Decke.

          Aufgehoben oder aufgeschoben?

          Zu Jahresbeginn hat sich die Regierung festgelegt: Der Louvre wird 2015 eröffnet, das Zayed Nationalmuseum 2016 und im Jahr darauf das Guggenheim. Die auf schwierige Fundamente spezialisierte deutsche Firma Bauer Spezialtiefbau hat längst die Fundamente für den Louvre und das Guggenheim in den salzigen Meeressand an der Küste der Insel Saadiyat gelegt. Eine zweite Ausschreibung für den eigentlichen Bau des Louvre unter einer riesigen, flach gewölbten Decke von Jean Nouvel steht bevor; der Auftrag soll noch in diesem Jahr vergeben werden.

          Noch nicht festgelegt ist der Zeitpunkt für die zweite Ausschreibung des Guggenheim mit seinen verschachtelten Kuben. Die Angebote wurden als zu teuer verworfen. Nun soll mancher teure Schnickschnack wegfallen; der Architekt Frank Gehry wehrt sich aber dagegen. Offen ist ferner der Zeitpunkt, wann die in eine zweite Phase verschobenen Projekte von Zaha Hadids Zentrum für darstellende Künste und Tadao Andos Meeresmuseum in Angriff genommen werden.

          “Die Regierung hat sich mit den Daten der Eröffnung festgelegt und hat sich damit zu den drei Museen öffentlich verpflichtet“, heißt es in der Abu Dhabi Tourism and Culture Authority. Daher arbeiten ihre Beschäftigten Tag für Tag am Erwerb neuer Exponate, zudem bereiten sie die Bevölkerung mit Ausstellungen, Vortragsreihen und Workshops für Kinder auf die Museen vor. „Das würden wir doch nicht tun, wollten wir nicht die Museen eröffnen.“

          Wie bei den meisten Themen fallen in Abu Dhabi auch bei den Museumsprojekten die Entscheidungen bar jeglicher Transparenz hinter dichten Vorhängen. Gründe für die Verzögerungen sind nie öffentlich genannt worden. Der Zwang zu Einsparungen wird vermutet, zu spleenige Erstentwürfe spielen eine Rolle. In der Zeit der arabischen Aufstände ist gewiss auch die Frage von Belang, ob die Emiratis Museen mit einer Kunst, die nicht die ihre ist, wirklich wollten und auch brauchten.

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