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Museumsneubau : Die Hülle der Rose

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Lärmschutz kann etwas sehr Schönes sein: Das neue Museum Brandhorst in München wird eröffnet und erweist sich als Geniestreich der Architekten. Ein Raum jedoch wird für die Besucher zur Schreckenskammer.

          Dieses Bauwerk ist ein Chamäleon. Von weitem nämlich leuchten der längliche und der würfelförmige Kubus, aus denen Münchens neues Museum Brandhorst besteht, in sämtlichen Farben des Regenbogens. Ein Exot spreizt sich inmitten von Klassizismus und Sichtbeton. Aber kommt man näher, passt sich der Neubau seiner Umgebung an, übernimmt hier das Römischrot eines Fünfzigerjahre-Blocks, da das Karamell eines historischen Mietshauses und wird integraler Bestandteil der Stadtlandschaft. Auch die Baugliederung folgt dem Tarnprinzip - außer dem gläsernen Foyer, einem verglasten Eckraum und zwei dynamischen Fensterbändern, zeichnen sich Ateliers und Büros lediglich als rechtwinklige Schatten im Gestänge der Fassadenverkleidung ab.

          Von nahem zeigt sich, dass deren luftige mattenartige Struktur aus Tausenden schlanker Vierkante - Majolika - besteht, die als Gitterstruktur auf perforierten Blechen vor den Wänden sitzen. Der ungemein dekorative Effekt ist dem schöpferischen Umgang der Architekten Sauerbruch Hutton mit blanken Sachzwängen entsprungen: Nachbarschaftsrechte und Bauverordnungen diktierten schallschluckende Fassaden - das äußere Stabwerk absorbiert den tosenden Lärm der angrenzenden Durchgangsstraßen.

          Schlichtheit und Würde

          Überhaupt ist Sauerbruch Hutton mit dem Museum ein Geniestreich gelungen, der sich glorreich und ohne Blessuren durch die Zwickmühlen städtebaulicher Komplikationen, finanzieller, architektonischer und künstlerischer Animositäten gewunden hat. Souverän schließt der Bau das „Kunstareal“ ab, bestehend aus der Alten Pinakothek, der Pinakothek der Moderne, dem künftigen Ausstellungspavillon „Türkentor“ (ein monumentaler Überrest der historischen Türkenkasernen an der gleichnamigen Straße) und Siebzigerjahre-Blocks der Universität, die irgendwann weiteren Museen weichen sollen. Riegel und einladender Auftakt zugleich, stellt das Museum en passant auch den seit dem Zweiten Weltkrieg zerrissenen Straßenraum längs der Gabelsbergerstraße wieder her.

          Nun also, nachdem schon einige Monate die irisierende Hülle begutachtet werden konnte, das Innere: Das Foyer besticht durch Schlichtheit und Weite; die Empfangstresen und das übrige Mobiliar sind aus warmtoniger, sanft gerundeter Eiche gefertigt, seine unverglasten Wandabschnitte tragen ein angenehm erdiges Rotbraun. Hinter dem diskreten Eingang in die Schauräume aber wartet ein Paukenschlag: Bis in die Höhe des Dachs und hinab zum Untergeschoss, das um einen Patio gruppiert ist, weitet sich der Raum, beherrscht von der freitragenden, wie eine rasante Skulptur sich kühn nach unten und oben verzweigenden Treppe. Als dramatischer Akzent ist sie Hans Döllgasts berühmtem Aufgang in der Alten Pinakothek ebenbürtig; doch was dort strenge Symmetrie und Pathos, ist hier Eleganz und Understatement.

          Warmtonige Eiche

          Nicht kühler Stein, sondern warmtonige Eiche, meiden die Treppen auch die hierarchisierende Mittelachse. Stattdessen geben sie jeweils den Blick frei auf Enfiladen, die gleichfalls anstelle schnurgerader Abläufe Perspektivenwechsel bieten, welche ihrerseits mit dem Blick auf markante Kunstwerke eine Vorahnung schenken auf das, was in den jeweiligen nächsten Räumen wartet.

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