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Museum Ludwig : Wo jetzt die neuen wilden Kerle wohnen

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In der Museumsoberliga ist er Deutschlands jüngster Direktor: Von heute an präsentiert Philipp Kaiser im Kölner Museum Ludwig die Neuordnung der Sammlung. Und glänzt mit einer Ausstellung der Künstlerin Louise Lawler.

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          Wie sich die Zeiten ändern. Noch vor fünf Jahren traf, wer mit dem Direktor eines großen Museums verabredet war, in der Regel einen Mann im Anzug, mal mit Krawatte, mal ohne, aber verlässlich im Alter von mindestens sechzig Jahren. Das war in München so, Berlin, Düsseldorf und auch in Köln. In allen Städten ist inzwischen die jüngere Generation nachgerückt, in Düsseldorf mit Marion Ackermann auch eine Frau in führender Position. Eine Generation tritt ab, die nächste kommt, das liegt in der Natur der Dinge.

          In Köln allerdings wurde ein größerer Sprung gewagt: Philipp Kaiser, der im November 2012 die Nachfolge des legendären Kasper König antrat, ist Jahrgang 1972, was ihn in der Liga der Großmuseen zu Deutschlands jüngstem Direktor macht. Wer Philipp Kaiser mit seinem jungen Team in Köln die große Treppe des Museum Ludwig herunterkommen sieht, hat das Gefühl, das Erbe sei hier nicht von den Eltern an die Kinder gegangen – sondern direkt an die Enkelkinder.

          Eine erstaunlich klassische Ordnung

          Heute also ist der große Tag. Von heute an wird die Neupräsentation der Sammlung gezeigt – und zugleich eine umfassende Ausstellung mit Werken der amerikanischen Konzeptkünstlerin Louise Lawler. Was macht also Deutschlands jüngster Direktor mit der Sammlung? Welche Ordnung gibt er ihr, welches Gesicht? Ein erstaunlich klassisches.

          Die Architektur des Hauses, 1986 erbaut, bleibt fast unberührt. Die Wände sind fast überall weiterhin weiß, der Boden aus Holz; man betritt den White Cube der Moderne. Darin jedoch sind die häufig wuchtigen Werke der Sammlung großräumig umgeparkt. Das Ehepaar Peter und Irene Ludwig vermachte dem Haus eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen der Pop-Art, die aus dem untersten Geschoss in das oberste gezogen ist. Im Kopf des Museums trifft man nun also auf Andy Warhols „White Brillo Boxes“ (1964), Roy Lichtensteins „Explosion No.1“ (1964), Robert Rauschenbergs „Axle“ (1964) oder auch Edward Kienholz’ „Portable War Memorial“ (1968).

          Leidenschaft für Neues trifft Bewusstsein für Tradition

          Die klotzige Pop-Art bildet im zweiten Stock die Felsen, um die sich nun allerdings neue Medien ein breites Flussbett geschaffen haben, das sich durch das ganze Haus zieht. Darin finden sich etwa der Fotografiezyklus „After Walker Evans“ (1981) von Sherrie Levine oder die Filme des 2003 gestorbenen amerikanischen Künstlers Jack Goldstein, zu dessen Werk Kaiser im vergangenen Jahr eine Ausstellung in den Vereinigten Staaten kuratierte. Malerei, Skulptur, Video und Fotografie werden gleichrangig plaziert, eine Entscheidung, die 2013 keine Sensation, sondern Standard ist.

          Allerdings: Bei den meisten Neuerwerbungen handelt es sich um Videos oder Fotografien. Dazu muss man wissen, dass Philipp Kaiser nicht nur der jüngste Direktor in der Museumsoberliga ist, sondern auch dem Haus mit dem wahrscheinlich höchsten Ankaufsetat vorsteht. Während diese Etats bundesweit gegen null zurückgekürzt werden, kann das Museum Ludwig jährlich etwa eine Million Euro ausgeben, finanziert aus Mitteln der Ludwig-Stiftung und der öffentlichen Hand; dazu kommt das Engagement des umtriebigen Freundeskreises.

          Kurzum: Fotografie, Film und Video scheinen Kaiser am Herzen zu liegen, die größte Dichte von neu erworbenen Arbeiten findet sich im Untergeschoss, darunter auch Michael Heizers wandfüllende Projektion „Actual Size (Elsinore)“ von 1971. Nirgends fehlt der respektvolle Hinweis darauf, dass man weiterführe, was in der Logik der Sammlung angelegt sei, eine Verneigung, deren Folge auch die weiterhin starke Konzentration auf nordamerikanische Kunst ist. Mehr noch: Die Verneigung vor den vorangegangenen Generationen prägt auch die Sonderausstellung mit Werken von Louise Lawler.

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