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Mensch und Maschine : Warum so ernst, Herr Roboter?

Starting Stories, Band 20/Nr. 3, Januar 1950 (Earle Bergey) Bild: Museum Folkwang

Ein vom Fortschritt gepeitschtes Wesen: Erst jetzt fällt auf, was die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Mensch und Maschine das ganze 20.Jahrhundert lang vermissen ließ.

          5 Min.

          Im März 1964 zeigt das Titelblatt des „Magazine of Fantasy and Science Fiction“ eine denkwürdige Szenerie: Ein Roboter steht in menschenleerer Landschaft an einer Staffelei. In der rechten Hand hält er einen Pinsel, in der linken eine Palette. Vor ihm erstreckt sich eine öde Wüstenlandschaft mit einem riesigen Bombentrichter, am rechten Bildrand steht ein abgestorbener Baum. Aber die Leinwand auf der Staffelei zeigt etwas ganz anderes. Auf ihr trägt der Baum eine gewaltige grüne Blätterkrone, und an der Stelle des Bombentrichters wachsen auf dem Gemälde die Wolkenkratzer einer Großstadt in die Höhe. Was hat der künstliche Künstler mit seiner Pleinairmalerei da geschaffen? Die Rekonstruktion einer untergegangenen Stadt, eine Zukunftsvision oder das himmlische Jerusalem der Androiden?

          Hubert Spiegel

          Redakteur im Feuilleton.

          Es ist immer der gleiche humanoide Roboter, den der Illustrator Mel Hunter auf einer ganzen Reihe von Titelblättern eines amerikanischen Science-Fiction-Magazins bei verschiedenen künstlerischen Tätigkeiten zeigte. Stets ist die Umgebung menschenleer und unbelebt, als brauche der Roboter Ruhe und Einsamkeit, um schöpferisch tätig sein zu können. Einige Ausstellungsräume weiter und ein gutes halbes Jahrhundert später sehen wir, in welcher Form Hunters Vision Realität wurde. Der amerikanische Künstler Trevor Paglen hat Künstliche Intelligenz darauf programmiert, zu eingegebenen Stichworten Bilder zu erschaffen. Ein selbstlernendes Programm kreiert dabei Bilder, die wie Fotografien oder Screenshots aussehen. Sie wirken unheimlich, bedrohlich, künstlich und doch auf verwaschene Weise real, und zeigen, was niemand je vor Augen hatte und was kein menschliches Gehirn sich ausgedacht hat. Jules Verne, von dem die abgründige Bemerkung stammt, alles, was ein Mensch sich vorstellen könne, würden andere Menschen irgendwann verwirklichen, müsste staunen: „Unsere Maschinen haben gelernt, ohne uns zu sehen“, wie Paglen sagt. Was werden sie mit ihren Visionen anfangen?

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