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Museum Augusteum in Oldenburg : Unerhörte Geheimnisse der Augenschule

Das Augusteum in Oldenburg beherbergt eine der traditionsreichsten Sammlungen klassischer Malerei in Deutschland. Nach zweijähriger Renovierung zeigt es sich jetzt in neuem Glanz.

          An Oldenburg dachte Karl Jaspers mit sehr gemischten Gefühlen zurück. „Die Stimmung grauen Regens, trüber Scheiben, die Bilder von schlechtriechenden Schutthaufen, verwahrlosten Bauplätzen“ und das „armselig Nüchterne“ des kulturellen Lebens verschatteten die Erinnerung des Philosophen an die Stadt seiner Kindheit und Schulzeit. Nur ein Ort ragte aus der Ödnis heraus: das Augusteum mit der großherzoglichen Gemäldegalerie, ein Museumsbau, der „durch klassizistischen Stil eine ruhige Vornehmheit“ ausstrahle, ein „feierlicher Raum voll Schönheit, die wir nur wenig begriffen und die uns voll unerhörter Geheimnisse schien“.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Das Augusteum steht immer noch in Oldenburg, und es ist immer noch ruhig, vornehm und feierlich, auch wenn es von den Kunstwerken, die der Schüler Jaspers bestaunte und nicht ganz begriff, ein paar der schönsten verloren hat. Das geschah vor fast hundert Jahren, im Jahr 1924, als der letzte regierende Großherzog Friedrich August, den die junge Weimarer Republik zur Abdankung gezwungen hatte, die wertvollsten Stücke seiner Gemäldesammlung in Amsterdam versteigern ließ, darunter Werke von Rembrandt, Veronese, Pontormo, Perugino und Frans Hals. Zwei Drittel des Bestands blieben der Stadt immerhin erhalten, und einzelne der verkauften Bilder konnten seither aus Privatbesitz zurückerworben werden – nur eben nicht die Kronjuwelen, von denen viele heute die Ausstellungsräume des Amsterdamer Rijksmuseums zieren.

          Ein enzyklopädisches Museumsprogramm

          Die jüngere Geschichte des Augusteums beginnt also mit einer Verlusterfahrung, so wie die Geschichte der Oldenburger Kunstsammlungen überhaupt. Denn das dänische Königshaus, das die damalige Grafschaft Oldenburg bis 1774 in Personalunion regierte, hatte fast alle seine Kunstschätze nach Kopenhagen schaffen lassen, so dass Peter Friedrich Ludwig, der zweite Regent des neugeschaffenen Herzogtums, in seiner Residenzstadt eine Art Tabula rasa vorfand. Es traf sich deshalb gut, dass Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, der „Goethe-Tischbein“, auf der Flucht vor der Französischen Revolution nach Oldenburg kam und dort ab 1808 sogar als Hofmaler wirkte. Tischbein hinterließ der Stadt nicht nur seinen frühromantischen Idyllen-Zyklus, dessen knapp vier Dutzend Schäferstücke und Götterszenen heute in einem eigenen Zimmer des Oldenburger Schlosses hängen, sondern auch seine aus 86 Barockgemälden bestehende Privatsammlung, die er als Direktor der Kunstakademie von Neapel begründet und durch kluge Ankäufe und Tauschgeschäfte ergänzt hatte.

          Die Tischbein-Sammlung bildet bis heute den Kern der Gemäldegalerie im Augusteum; einige seiner besten Stücke, wie das „Amor und Psyche“-Tableau des nordischen Manieristen Bartholomäus Spranger, stammen aus ihrem Bestand. Nach dem Tod des Malers im Jahr 1829 aber wuchs die Kollektion bald um mehr als das Doppelte an, nicht zuletzt dank kunsthistorischer Berater wie Gustav Friedrich Waagen, die das Prestigedenken der Oldenburger Regenten in sachdienliche Bahnen lenkten. Waagen setzte in dem vom Wiener Kongress aufgewerteten Großherzogtum das enzyklopädische Museumsprogramm fort, das er als Direktor der Berliner Gemäldegalerie entwickelt hatte.

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