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Monet und Renoir : Die Erfindung des Impressionismus

  • -Aktualisiert am

„La Grenouillère“ (1869) von Claude Monet. Bild: akg-images

Vor hundertfünfzig Jahren erfinden Monet und Renoir in einem Ausflugslokal den impressionistischen Stil. Er lässt die durchgängige Bewegtheit der Welt in den Gemälden fortwirken. Etwas, was die Malerei von der Fotografie unterscheidet.

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          Es gibt gute Gründe für die Annahme, dass die impressionistische Malerei vor genau einhundertfünfzig Jahren, im September 1869, zum ersten Mal eine ihr entsprechende Gestalt annahm. Geboren wurde sie, wie Aphrodite, aus dem Wasser, aus dem Wasser der Seine, um präzise zu sein. Auf einer Insel in diesem Fluss lag damals, westlich von Paris, ein Ausflugslokal namens La Grenouillère, und ganz in der Nähe wohnten zwei Maler: Claude Monet und Auguste Renoir.

          Beide waren achtundzwanzig Jahre alt und weitgehend mittellos. Monet beklagte in einem Brief sogar, er habe manchmal tagelang nichts zu essen, und Leinwand und Ölfarbe könne er sich auch nicht kaufen. Auch Renoir hatte über den Sommer nicht viel gemalt. Doch diese unfreiwillige Enthaltsamkeit mündete schließlich in einem grandiosen künstlerischen Durchbruch, und die dazu nötige Inspiration kam aus den Wellen des Wassers. Das Wasser war jenes, aus dem sich die Anlagen des Gasthauses La Grenouillère erhoben. Hier verkehrte die Pariser Kunstszene, auch potentielle Käufer gingen ein und aus. Man konnte essen, trinken und feiern, es gab ein Schwimmbad und einen Bootsverleih. Diese Kultstätte des eleganten Müßiggangs war zweifellos ein gutes Motiv für moderne Gemälde, die das Interesse und die Kaufbereitschaft des Publikums wecken würden. Man musste nur die passende Darstellungsweise finden.

          Aus der verwirrenden Vielfalt der Eindrücke

          Die penible und „geleckte“ Malweise, die man immer noch an der École des Beaux-Arts lehrte, war hierfür denkbar ungeeignet. Monet und Renoir hatten aber ohnehin schon begonnen, Farbe nicht mehr in kontinuierlichen Modulationen aufzutragen, sondern in deutlich abgesetzten Pinselstrichen. Dabei blieben Monets Bilder aber meist starr wie ein Mosaik. Bei einer Seelandschaft aus dem Jahr zuvor sahen die Wellen aus, als seien sie aus Granit gemeißelt. Auch Renoir verharrte noch in dem steif-glasierten Stil, den er sich in seiner Jugend als Porzellanmaler angewöhnt hatte. In den Bildern, die sie von der Grenouillère malten, konnten sich beide aus diesen Beschränkungen befreien. Von Renoir gibt es zwei Gemälde, heute in Stockholm und in Winterthur. Monet malte drei Bilder, von denen eines im Zweiten Weltkrieg verschwand. Die anderen befinden sich im New Yorker Metropolitan Museum und in der Londoner National Gallery. An dem Bild in London erkennt man besonders deutlich, was daran so wegweisend war. Monet benutzte, anders als Renoir, keine dünnen und spitzen Pinsel, sondern breite mit gleichlangen Borsten. Winzige Details kann man damit schlecht wiedergeben, wohl aber übergreifende Strukturen wie die Licht- und Schattenpartien eines Baumes. Tatsächlich zeigt Monets Bild eher dasjenige, was sich schon einem ganz kurzen Blick auf die dargestellte Szene darbietet.

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