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Möbelmesse Köln : Bitte fühlen Sie sich ganz wie zu Hause!

Der Trend zum „Homing“ setzt sich fort: Von Samstag an darf der Endverbraucher auf die Kölner Möbelmesse. Zu sehen gibt es viel Klassisches, neu und verwirrend sind nur die Ausstellungshallen.

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          „Neu“ ist, nicht sonderlich originell, das Wort, das über dieser Kölner Möbelmesse schwebt. „Neue Hallen, neue Hallenaufplanung, ein neues Messekonzept, neue Modelle und Programme“, führte Helmut Lübke, Präsident des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie, zur Einweihung der weitläufigen, achtzigtausend Quadratmeter großen Erweiterung ins Feld, aber auch die „neue Regierung in NRW“, die „neue Regierung in Berlin“, ein „neuer Regierungsstil“ und ein „neu besetztes Wirtschaftsministerium“ hatten es ihm so weit angetan, daß er sich „neue Impulse“, „neue Hoffnungen“ und „neue Zuversicht“ in einem „neuen Jahr“ versprach, in dem die rechte Rheinseite, würde sie nicht schon „schäl Sick“ heißen, in - Berliner, aufgepaßt! - „Neuköln“ umbenannt werden müßte.

          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

          So viel „neu“ war nie, und neu war wohl auch, daß die beiden prominentesten unter den angekündigten Gästen, NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, obwohl schon im Programm ausgedruckt, der Eröffnungsfeier kurzfristig fernblieben. Offensichtlich auch, weil sie sich nicht in Zusammenhang mit der Auseinandersetzung über den Korruptionsverdacht bei der Vergabe der Bauten gebracht sehen wollen. Hier soll - und dieser Klüngel wäre in Köln gar nicht neu - ein Anbieter mit einem überteuerten Finanzierungsmodell den Zuschlag erhalten haben, bei dem sich die Fondseigner zu Lasten des Steuerzahlers bereichern. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

          Bedrückende Nüchternheit

          Wer den U-Bahnhof Deutz, dem Schild „kölnmesse“ folgend, verläßt, aber findet sich erst einmal im Alten wieder: Ganze Straßenzüge nördlich der Bahnlinie, graue Wohnblocks aus den fünfziger Jahren, stehen leer, viele Fenster im Erdgeschoß sind schon zugemauert, nur vereinzelt schummert darüber noch Licht durch fleckige Gardinen, und die eine oder andere Zimmerpflanze trocknet zäh ihrem Ende entgegen. Zu Fuß zur Messe zu gehen, vormals eine beschwingte Promenade über den Fluß mit dem imposanten Stadtpanorama im Rücken, hat alle Schaureize eingebüßt: Die Messe hat sich, indem sie die historischen Rheinhallen mit ihrer markant rhythmisierten Klinkerfassade an RTL abgetreten hat, vom Strom in die zweite Reihe zurückgezogen und mit dem neuen Standort - auch im ganz wörtlichen Sinn - Ansehen verloren. Schon der Weg dorthin macht es in bedrückender Nüchternheit augenfällig.

          Die „spürbar verbesserte“ Aufenthaltsqualität der neuen Nordhallen scheint sich danach wie von selbst einzustellen, doch mehr als stereotype Funktionsarchitektur ist nicht entstanden, und jeder Vergleich mit Leipzig verbietet sich: Vier baugleiche Hallen, licht und stützenfrei, mit umlaufenden Fensterbändern unter der Decke, offen liegender Technik und blechfarbenen Fassaden tun sich auf, der „Boulevard“, der sie als zentrale Nord-Süd-Achse verbindet, erweist sich als plumpe Passage von strahlender Ödnis, die verglasten Verbindungsgänge bieten Ausblicke auf trostlose Parkdecks und Unterführungen, und der Nordeingang unterhalb der Zoobrücke heischt mit seiner gekurvten Front und seinem säulengestützten Vordach eine sterile Repräsentanz.

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