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Möbelmesse Köln : Bitte fühlen Sie sich ganz wie zu Hause!

Dagegen steht weiter die anhaltend hohe Zahl von Re-Editionen und Variationen der klassischen Moderne: So hat Tecta Sessel und Sofa, die Walter Gropius schon 1920 für sein Direktorenzimmer am Bauhaus Weimar entworfen hat, überarbeitet und legt sie nicht nur im originalen, nie in Produktion gegangenen Safrangelb, sondern auch in einer schachbrettstrengen Schwarzweißversion wieder auf.

Thonet feiert ausgiebig den fünfundsiebzigsten Geburtstag des Freischwingers „S 43“ von Mart Stam, indem sie ihn nicht mehr nur in Buchensperrholz, sondern erstmals auch mit Schichtstoff, Edelholzfurnieren für den Innenbereich und wetterfestem Buchenholz abwandelt. Von Anton Lorenz, Geschäftsführer der von Marcel Breuer und Kalman Lengyel 1927 gegründeten Firma „Standard Möbel“ und nur nebenbei Designer, steht hier die mit ihren fließenden Linien schwebend leicht anmutende Liege LS 22 von 1931 zur Wiederentdeckung, und mit der Wiederaufnahme des S 826, mit dem Ulrich Böhme 1971 überrascht hat, aktualisiert Thonet einen der wenigen Versuche eines frei schwingenden Schaukelstuhls. Nur selten um eine pfiffige Lösung verlegen, hat Richard Lampert (Stuttgart) das berühmte Tischgestell von Egon Eiermann fürs Kinderzimmer verkleinert. Früh übt sich...

Unübertroffene Qualität

Ein Comeback auf ganz breiter Front scheint sich für Hans J. Wegner, neben Arne Jacobsen der produktivste dänische Möbeldesigner des vorigen Jahrhunderts, anzubahnen, der, inzwischen 91 Jahre alt, in einem Kopenhagener Seniorenheim lebt und in Sachen handwerkliche Verarbeitung eine unübertroffene Qualität vorlegt: Die Re-Edition seines „Easy Chair“ von 1960 führt bei Carl Hansen & Son (Aarup) eine große Auswahl seiner Tische, Stühle und Sessel an, Erik Jorgensen (Svendborg) stellt seinen „Ox-Chair“ in den Mittelpunkt, und P.P. Mobler (Allerod) erweitert die Palette noch einmal um exklusive Gediegenheiten wie den berühmten „Teddy Bear Chair“ von 1951 oder den erstmals produzierten „Deck-Chair“ von 1958.

Die Rückbesinnung auf hochwertige handwerkliche Ausführung eröffnet auch jüngeren Unternehmen neue Möglichkeiten: So hat die Stuttgarter Holzmanufaktur mit „Step X“ ein modulares Bett entwickelt, das es auf 3456 Varianten bringt. Die Jagd nach Neuheiten gleicht auch in diesem Jahr der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen und landet bei luxuriösen Kuriositäten. Die vielleicht extravaganteste unter ihnen ist ein Raumfeuer namens „Dschin“, das, von Martin Zbären für Faglas (Steffisburg/Schweiz) entworfen, auf einem Stahlkelch angezündet wird, der in einem vertikalen Glaszylinder steht: Mit Alfatrol, einem Spezialbrennstoff auf Bio-Alkoholbasis, betrieben, läßt es sich bewilligungsfrei auch in kleineren Räumen aufstellen oder sogar - mit Rollen versehen - herumfahren, ohne Rückstände von Ruß und Schmutz zu bilden. Das Kaminfeuer für den kleinen Mann und Sozialwohnungsmieter, wenn da nicht der Preis von knapp viertausend Euro wäre, und so führt diese heiß erwartete Erfindung auch flackernd vor, wie dieser Kölner Möbelmesse bei ihrer Fetischisierung des Neuen ein Licht aufgesetzt wird.

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