https://www.faz.net/-gqz-rz7u

Möbelmesse Köln : Bitte fühlen Sie sich ganz wie zu Hause!

Homing noch nicht am Höhepunkt

Neu sind schließlich auch die Namen: Die ehemaligen „Osthallen“ heißen nun „Südhallen“, aus „Halle 13“ ist „Halle 11“ geworden, doch wurde gerade sie bei der Ausschilderung oft vergessen, so daß nicht einmal eine mühelose Orientierung gewährleistet ist. Dabei sind gerade hier - in „11.1.“, „11.2“ und „11.3“ - die Hersteller von zeitgenössischem Möbeldesign versammelt, die sich früher - unter „1.2., „2.2“ und „3.2“ - in den Rheinhallen ausbreiteten und die Möbelmesse vor allem sehenswert machen.

Um neue oder auch nur eindeutige Trends ist die Branche schon lange verlegen. „Homing“, der Rückzug aus der als gefährlich erfahrenen Welt in die eigenen vier Wände, habe, so wiederholte Dirk-Uwe Klaas, Hauptgesellschafter des Verbandes der deutschen Möbelindustrie e.V., vorab auf der „Trendpressekonferenz“, seine Prognose aus dem Vorjahr, wenn auch ohne den damals akuten Schrecken Tsunami im Rücken, „seinen Höhepunkt noch nicht erreicht“. Doch wurden früher einmal bestimmte Hölzer, Farben, Stoffe, Materialen und Muster als Trends ausgerufen, so heißt es inzwischen nur noch „Vielfalt, Vielfalt, Vielfalt“, und das hat, so Klaas, dazu geführt, „daß es bei den Möbeln wesentlich mehr Stilgruppen als Zielgruppen“ gibt und immer „mehr Menschen ihren eigenen Wohnstil mixen“.

In der Energietankstelle

Wo seine herkömmlichen Merkmale nicht mehr ziehen, rutscht der Trend, befördert von technischen Entwicklungen, ins Funktionale. So sollen nach der Verschmelzung der Wohnbereiche durch andere Zuordnungen „neue Räume“ entstehen: Eßzimmer und Küche werden zur „Kommunikationszentrale“, das Schlafzimmer zur „Energietankstelle“, das Wohnzimmer zum High-Tech-Zentrum ausgebaut.

Das Neue, das hier so inständig beschworen und fetischisiert wird, aber ist auch der Feind des Guten - insofern zumindest kommen die neuen Messehallen gleich zu ihrer Premiere mit ihren Inhalten in Übereinstimmung. Denn gerade die in Halle 11 („Komplette Wohnphilosophien“!) versammelten Unternehmen knapsen, nicht zuletzt aus Qualitätsbewußtsein, mit Novitäten: So hat Vitra (Weil am Rhein) nur das überlange, als Sitzlandschaft komponierte „Polder Sofa“ von Hella Jongerius neu im Programm, Zeitraum (Wolfratshausen) setzt mit dem bis auf 3,60 Meter ausziehbaren Tisch „Larc Zoom“ von „mutschler.winkler design“, der - durch um 45 Grad gedrehte Beine - formal wie konstruktiv das Prinzip von „L'Arc“ in Paris aufnimmt, zumal in Sachen Stabilität neue Maßstäbe, Thonet (Frankenberg) kürt, pointiert außer der Reihe, den Schlitten S 333, den Holger Lange mit elegantem Freischwinger-Minimalismus für eine Tochter gebaut hat, zur einzigen echten Neuheit, Tecta (Lauenförde) bietet erstmals Möbel an, die statt von rundem Stahlrohr von einer abgeplatteten und dreidimensional verformten „tube oblique“ getragen und damit vor allem statisch verbessert werden, und Flexform (Meda/Italien) schafft mit dem „Gary-Sofa“ von Antonio Citterio endlich eine Sitz-Schlaf-Kombination, die mit einer durchgehenden Matratze auskommt.

Die Feier des Freischwingers

Weitere Themen

Elegie des  Wiedersehens

„Die schönsten Jahre“ im Kino : Elegie des Wiedersehens

Claude Lelouch bringt Jean-Louis Trintignant und Anouk Aimée vor der Kamera wieder zusammen. „Die schönsten Jahre eines Lebens“ erzählt von einer Begegnung zwischen gealterten Liebenden nach mehr als fünfzig Jahren.

„Married“ Video-Seite öffnen

Trailer : „Married“

Die Serie „Married“ läuft beim Pay-TV-Sender ProSieben Fun.

Topmeldungen

Christian Sewing und Martin Zielke (rechts)

Nach Zielkes Rückzug : Sewing, übernehmen Sie!

Es darf bezweifelt werden, dass die Commerzbank den Weg aus ihrer schwersten Krise alleine findet. Und so dürfte es mit Blick auf den Chef der Deutschen Bank bald heißen: Herr Sewing, übernehmen Sie.

Corona in Arizona : Wer Maske trägt, macht sich verdächtig

Der Lockdown ist in Arizona schon lange her. Abertausende Touristen genossen die Freiheit im Südwesten. Jetzt ist der Staat Corona-Hotspot – und politischer Streit erschwert die Rettung.

Corona-Medikament für Europäer : Eine Zwangslizenz für Remdesivir?

Die EU hat das erste Medikament gegen Covid-19 zugelassen – doch vorerst liefert der Hersteller Gilead nur nach Amerika. In Brüssel wird Druck aufgebaut: Notfalls könne man Remdesivir auch gegen den Willen von Gilead für Europa herstellen lassen.
In seinen seltenen Interviews gab sich der ehemalige Wirecard-Chef analytisch und sachorientiert.

Wirecard-Skandal : Der Unsichtbarmacher

Markus Braun war Mr. Wirecard und der reichste Dax-Chef. Nun ist er in einen beispiellosen Bilanzskandal verstrickt. Irgendwo zwischen der Utopie unsichtbaren Geldes und der Wirklichkeit unregelmäßiger Zahlen hat er sich verzettelt.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.