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Hinterglasmalerei im Museum : Die Hebung gläserner Schätze

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Gleich vier bayerische Museen zeigen die fragile Kunst der modernen Hinterglasmalerei. Darunter finden sich filigrane Arbeiten von Franz Marc bis Wassily Kandinsky.

          Forscherträume werden wahr, wenn auf attraktivem, aber vermeintlich bis in letzte Winkel beackertem Gebiet tatsächlich noch eine Lücke auftritt. So war kaum zu erwarten, dass die Malerei des „Blauen Reiters“ Kunsthistorikern noch Brachen böte – bis das Museum im oberbayerischen Penzberg, das den Nachlass von Heinrich Campendonk bewahrt, sich dessen Hinterglasmalerei vorknöpfte. Unverhofft gewonnene, erstaunliche Erkenntnisse betrafen nicht nur Campendonks Oeuvre sondern auch die Bedeutung dieser Technik im deutschen Expressionismus und darüber hinaus. Anlass für das Forschungsprojekt hatte der bedenkliche Zustand von Campendonks Glasbildern gegeben.

          Denn das Besondere dieser Malerei, ihre ungewöhnliche, durch Reflexion und Lichtbrechung vom Glas erzeugte Farbstrahlkraft bezahlt sie mit großer Fragilität, auf dem schön glatten, aber nicht saugenden Malgrund haftet die rückwärtig aufgebrachte Farbe schlecht. Auch weil es an spezialisierten Restauratoren fehlt, schlummern die meisten dieser Bilder vergessen in Museums-Depots; noch dazu haftet ihnen eine leicht abschätzige Bewertung als Exkurs ins Volkskunsthafte an.

          Genau da kommt diese alte Technik ja auch her, gerade das Unakademische der Volkskunst inspirierte Gabriele Münter und Wassily Kandinsky, die sich als ihre begeisterten Sammler zu Hause damit umgaben. Die bäuerlichen Hinterglaswerke mit ihrer flächigen, „unbekümmerten Formvereinfachung“, dem leuchtenden Kolorit in schwarzen Konturen trafen den Nerv der neuen Ausdruck suchenden Avantgarde. Münter nimmt Unterricht bei einem Murnauer Glasmaler. Sie ist es, die diese Technik an die Freunde weitergibt. Elisabeth Macke berichtet, wie man mit Ehepaar Marc und anderen „abends um den runden Tisch“ Glasbilder malend beisammensaß und Kandinsky schwärmte: „Ich kenne wirklich beinahe keine schönere Arbeit. Leider ist das Zeug so zerbrechlich“. Auch Campendonk, der 1911 zu der Künstlergruppe stößt, dürfte so manches zerbrochen sein.

          Doch immerhin 73 Exemplare weist das Penzberger Team um Museumsdirektorin Gisela Geiger und Restauratorin Simone Bretz im kürzlich erschienenen Hinterglas-Werkkatalog des Künstlers nach, zugleich die erste Publikation zur Grundlagenforschung über moderne Hinterglasmalerei. Im Rahmen eines noch laufenden, wie schon das erste von der Volkswagenstiftung geförderten Folgeprojekts beweist das Penzberger Museum nun mit seiner Ausstellung „Tiefenlicht“, dass Hinterglasmalerei von der Klassischen Moderne bis heute alles andere ist als ein Randphänomen.

          Campendonks Werke muten wie Märchenszenen an

          Im Zentrum dieser vielstimmigen Schau steht Campendonk, der jüngste Blaue Reiter. Dass er seine erste Einzelausstellung 1923 im Krefelder Kaiser Wilhelm Museum ausschließlich Glasbildern widmet, beweist seine Wertschätzung der Technik, die er zeitlebens perfektionierte. Auch Erfolg hatte er damit; Abbildungen können das Strahlen nicht wiedergeben, das sein „Stillleben mit Fischglas, Spielkarten und Vase“ von 1927 aussendet, als sei es ein Leuchtkastenbild. Ein Großfoto zeigt, wie es einst mit seinem Pendant um einen Kakadu den eleganten Damensalon eines Duisburger Hotels schmückte. Das Werk weist drei Farbschichten auf, dazu Radierlinien unterschiedlicher Dichte plus gesprenkelte und gemalte Bronzen, die Fischhaut und Wasser glitzern lassen.

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