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Kunst oder Kommerz : Modische Museen

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Vom Laufsteg ins Archiv: Immer mehr Institute zeigen Ausstellungen, die Designern und ihren Kollektionen gewidmet sind. Ist das nur eine Marketingstrategie?

          6 Min.

          Die Frage, was Mode im Museum zu suchen hat, stellte sich zum ersten Mal vor etwa dreißig Jahren. Damals, es war im Dezember 1983, eröffnete am New Yorker Metropolitan Museum of Art (Met) eine Schau, die dem Werk des Modedesigners Yves Saint Laurent gewidmet war. Heutzutage würde man sich über so etwas kaum noch wundern – nach all den Ausstellungen, die großen Couturiers in Kunstmuseen rund um den Globus zuerkannt werden. Allein in den vergangenen fünf Jahren konnte man Werkschauen etwa zu Jean-Paul Gaultier (in Montreal), zu Alexander McQueen (New York) und abermals zu Yves Saint Laurent (Paris) sehen. Und damit ist nur ein Bruchteil benannt.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Aber seinerzeit, als sich in den achtziger Jahren die ehemalige „Vogue“-Redakteurin Diana Vreeland anschickte, das etwas verschlafene „Costume Institute“ des Met mit den Ideen (und dem Geld) aus der Modewelt wieder zu beleben und erstmals einem noch lebenden Designer eine eigene Schau zu widmen, war die Skepsis in beiden Sphären groß: Droht dem noch aktiven Modedesigner im Museum nicht die vorzeitige Mumifizierung? Und ist die Mode wirklich eine so hohe Kunst, dass sie es wert ist, ins Museum zu ziehen?

          Noch zu Schaffenszeiten den eigenen Mythos mitgestalten

          Die erste Frage darf mittlerweile als beantwortet gelten: Den Designern schadet der frühe, also zu Lebzeiten erfolgende Einzug in die Kunsthäuser nicht, im Gegenteil. Denn auch ohne dass ihre Marketingstrategen es zugeben würden, ziehen selbst weltweit schon bekannte Modeschöpfer enormen Nutzen aus der Liaison mit den Museen. Zum einen, was das branding, die Marken- und Imagepflege, angeht: Einer eigenen Museumsschau für würdig erachtet und so implizit in die Nähe der Kunst gerückt zu werden kommt einer Ehre gleich, deren Werbewert sich kaum beziffern lassen dürfte. Zum anderen bietet die Zusammenarbeit mit den Museen jedem Designer die unschätzbare Möglichkeit, noch zu Schaffenszeiten den eigenen Mythos mitzugestalten. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Museen den Couturiers einen entsprechend großen Gestaltungsspielraum gewähren.

          Wohin genau das führen kann, lässt sich derzeit in der Bundeskunsthalle in Bonn beobachten. Seit gut zwei Monaten und noch bis in den September widmet sich dort eine Schau der „Modemethode“ von Karl Lagerfeld. Unter „Modemethode“ versteht man hier eine Arbeitsweise, die, weil sie mit dem Zeichnen von Entwürfen beginnt und mit von Lagerfeld selbst gestalteten Einladungskarten zu seinen Modenschauen endet, den gesamten Entstehungsprozess der Mode umschließt. Man begegnet also einem Designer, der von Anfang bis Ende sämtliche Produktionsfäden in der Hand behält, und etwas anderes lässt sich auch von der Bonner Ausstellung selbst nicht sagen: Kokuratiert wurde sie, neben dem Intendanten Rein Wolfs, jedenfalls von Amanda Harlech, die in dem begleitenden Katalog (der eigentlich auch kein Katalog, sondern ein Sonderheft der „Vogue“ ist, die der regulären Mai-Ausgabe der Zeitschrift beilag) als „enge Vertraute“ des Modeschöpfers vorgestellt wird. Sie sei, so gibt sie dort freimütig zu, weder Museumskuratorin noch Modehistorikerin: „Ich habe mich an meine Intuition gehalten und gewählt, was mir unglaublich schön erschien.“

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