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MMK-Chef Ammann gestorben : Der Kunstmissionar

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Der Gründungsdirektor des Frankfurter Museums für Moderne Kunst Jean-Christophe Ammann ist tot. Er war ein humorvoller und beredter Missionar, der sich ganz der Idee verschrieben hatte, jeden Betrachter von der Gegenwartskunst zu überzeugen.

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          Wie viele Kinder, Jugendliche und natürlich auch Erwachsene Jean-Christophe Ammann zur Gegenwartskunst bekehrte, wird wohl nie gezählt werden können. Wer jedoch das Glück hatte, zu den Besuchern zu gehören, die er als Museumsdirektor in Frankfurt durch sein Haus führte, erlebte einen ebenso humorvollen wie klugen und beredten Missionar, der sich ganz der Idee verschrieben hatte, jeden Betrachter von der Kunst zu überzeugen. Ein Gemälde, eine Skulptur oder Installation, die er angekauft hatte, schien ihm jeweils für sich eine Welt zu sein. Und diese für andere zu öffnen war sein Wunsch.

          Ammann war jedoch nicht nur Kunstprediger, sondern auch Erfinder. Gäbe es ein Patent für Kuratoren, dann müsste ihm eines für die „Szenenwechsel“ zugesprochen werden, das Ausstellungsformat, in dessen Rahmen die Sammlung mehrmals im Jahr neu in den Räumen angeordnet und mit Ankäufen oder Leihgaben bereichert wurde. Den Szenenwechsel führte Ammann in Frankfurt am Museum für Moderne Kunst ein, dessen Direktor er 1989 wurde. Zwei Jahre später eröffnete das Haus in der Braubachstraße, einen Steinwurf entfernt von der nur wenige Jahre zuvor gebauten Schirn Kunsthalle. Für Überraschungseffekte bietet die verwinkelte Architektur von Hans Hollein bis heute die idealen Räumlichkeiten.

          Die Strategie, die Sammlung und Haus lebendig halten sollte, richtete allerdings auch ungewollt einigen Schaden an. Nach fünfzehn Jahren zog der Sammler Dieter Bock die Werke, die er dem MMK als Dauerleihgabe überlassen hatte, auf einen Schlag wieder ab. Das war im Jahr 2005, vier Jahre zuvor hatte Ammann seinen Direktorenposten niedergelegt, um als Kunstberater zu arbeiten.

          Geboren wurde Ammann am 14.Januar 1939 in Berlin. Aufgewachsen ist er jedoch im schweizerischen Fribourg, wovon auch in den Frankfurter Jahren der temperamentvolle Singsang seiner Aussprache zeugte. Er studierte Kunstgeschichte, christliche Archäologie und deutsche Literatur, promovierte mit einer Arbeit über den Maler Louis Moilliet, einen Zeitgenossen Klees und Mackes, dessen Werkverzeichnis er 1972 publizierte. An der Kunsthalle Bern war er zunächst als Assistent tätig, übernahm als Leiter 1968 die Kunsthalle Luzern, zehn Jahre später die Kunsthalle Basel. Der berühmteste aller Schweizer Kuratoren berief ihn außerdem in sein Team: Als Mitarbeiter unterstützte er 1972 Harald Szeemann bei der Documenta5 in Kassel. Aus der Schweiz lockte ihn schließlich Hilmar Hoffmann, der damalige Kulturdezernent, nach Frankfurt. Im Jahr 1998 erhielt er dort an der Goethe-Universität eine Honorarprofessur.

          Hoffmanns Devise „Kunst für alle!“, die den Museumsboom an Frankfurts Mainufer eingeläutet hatte, versuchte Ammann auch dann weiterzuverfolgen, als die öffentlichen Gelder versiegten. Mit den privaten Geldgebern öffnete er die Museumstüren allerdings auch für deren private Interessen. Als im vergangenen Jahr das MMK erweitert wurde und eine Dependance im TaunusTurm eröffnete, die von Sponsoren getragen wird, äußerte er sich begeistert. „Die Idee“, so Ammann in einem Interview, sei „ganz hervorragend“. Zuletzt gehörte er, wie auch der ehemalige Direktor des Städels Klaus Gallwitz, der Jury für eine neue Kunstmesse in Frankfurt an. Ob sie gelingen kann, wird er nun nicht mehr erfahren. Wie erst jetzt bekannt wurde, verstarb Jean-Christophe Ammann schon am 13.September in Frankfurt.

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