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Pläne für Museum : Schildbürgermeister

  • -Aktualisiert am

„Das passt zu seinem Naturell“ sagt der ehemalige Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma (r.) über die Absage von Gerhard Richter. Das Foto zeigt beide im Rathaus vor einem Richter-Porträt von Schramma. Bild: dpa

Der ehemalige Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma schlägt ein Gerhard-Richter-Museum vor und erhält dafür eine Absage des Künstlers. Oder doch nicht?

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          Dass sich Politiker mit nichts so glanzvoll verewigen können wie mit kulturellen Hinterlassenschaften ist vertraut, seit König Mausolos sich das nach ihm benannte Weltwunder errichten ließ. Auch der französische Staatspräsident François Mitterrand rief das Projekt „Grand-Louvre“ ins Leben und setzte sich ein Denkmal mit dessen gläserner Pyramide.

          Der ehemalige Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma nun wollte gleichziehen und lancierte diese Woche aus der Tiefe des Sommerlochs die Idee eines Gerhard-Richter-Museums für die Stadt am Rhein, in welcher der Künstler seit langem sein Atelier hat. Der Vorstoß überraschte die Kunstwelt schon deshalb, weil das künftige Richter-Mausoleum so leicht mit Bildern gar nicht zu bestücken und zu füllen wäre, ist doch fast der gesamte Nachlass des Künstlers bereits seiner Geburtsstätte Dresden versprochen und sind neu anzukaufende Werke des 87-jährigen bekanntlich sehr teuer.

          Zudem sind mit dem Anbau des Wallraf-Richartz-Museums, dem Jüdischen Museum und der Mikwe, dem Neubau des Stadtmuseums und der neuen „Historischen Mitte“ Kölns viele kostenintensive Großprojekte übers Planungsstadium noch nicht hinaus, Opern- und Schauspielhaus befinden sich weiter bis mindestens 2023 in der Sanierung, von der mühseligen Rekonstruktion des versunkenen Stadtarchivs ganz zu schweigen.

          Kein Soloauftritt erwünscht

          Richter selbst, mit öffentlichen Äußerungen sonst sehr zurückhaltend, erteilte des Ex-Bürgermeisters Hall-of-Fame-Plänen für ihn dann auch umgehend eine definitive Abfuhr. Mit der schönen Metapher, er sei in wichtigen Museen auf der ganzen Welt vertreten und spiele gern im Orchester der Kunst, den Soloauftritt durch ein Einzelmuseum brauche er hingegen nicht, schien der vermeintliche Sommerlochfüller vom Tisch.

          Richters Worte indes waren noch nicht vollständig verklungen, da setzte Schramma nach, indem er über den Künstler räsonierte: „Das passt zu seinem Naturell, das hat er übrigens auch schon mal so in der Form geäußert, aber immer mit einem kleinen Smiley. Das ist jetzt nicht eine Form von Absage.“ Hat Schramma da die lokale Form einer rheinischen Litotes hineingehört, eine doppelte Verneinung, die aus einer zweifachen Absage – nein danke, ich bin lieber mit vielen anderen Künstlern zusammen in Museen vertreten wie im Fall Dresden und nein, auf keinen Fall ein eigenes Museum nur für mich – ein „Ja doch, ich will mein Museum!“ zaubert?

          Um die Angelegenheit noch etwas komplizierter zu gestalten, hat nun auch Kulturstaatsministerin Grütters ihren baldigen Besuch bei Richter angekündigt. Was sie von ihm will? Unter anderem anfragen, ob nicht vielleicht einige Richter-Bilder für das Projekt eines „Museums der Moderne“ in Berlin abfallen könnten.

          Stefan Trinks

          Redakteur im Feuilleton.

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