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Michael Eissenhauer im Gespräch : Wir müssen an Bode anschließen

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Führungswechsel in Berlin: Michael Eissenhauer, Jahrgang 1956, hat von Peter-Klaus Schuster die Generaldirektion der Staatlichen Museen übernommen. Ein Gespräch über seine Pläne für die Hauptstadt.

          Michael Eissenhauer, Jahrgang 1956, übernimmt am heutigen Freitag von Peter-Klaus Schuster die Generaldirektion der Staatlichen Museen. Ein Gespräch über seine Pläne für die Hauptstadt. F.A.Z.

          Herr Eissenhauer, Ihr Amtsantritt fällt in keine gute Zeit: Wegen der Finanzkrise haben sich in den Vereinigten Staaten bereits zahlreiche Sponsoren aus dem Museumsbetrieb zurückgezogen, einige Institute mussten sogar Personal entlassen. Droht Berlin etwas Ähnliches?

          Für die Kultur kann die Finanzkrise vielleicht sogar etwas Gutes bedeuten. Nach dem enormen Vertrauensverlust in diese rein zahlenorientierte Welt, die nur auf Zuwachs bedacht ist, nur an die Gegenwart denkt, kann auch ein gewisser Wertetraditionalismus wieder erstarken. Das meine ich nicht in einem konservativen oder gar reaktionären Sinne. Nur: Kultur, Ästhetik, Kunst verlieren in diesen Tagen sicherlich nicht an Bedeutung, im Gegenteil.

          Aber ganz praktisch: Es gibt ja auch in Berlin Public-Private-Partnerships für die Finanzierung von Ausstellungen. Brechen die jetzt weg?

          Dafür gibt es im Moment keine Anzeichen. Wir müssen natürlich beobachten, ob und wie sich die Krise ausweitet.

          Es gibt viele Aufgaben in Berlin zu lösen, Womit fangen Sie an?

          Die Staatlichen Museen Berlin sind ein viel zu großer Tanker, als dass man ihn plötzlich in eine ganz andere Richtung lenken könnte. Dafür gibt es auch keinen Anlass, die Museen sind gut aufgestellt. Als große Aufg abe wartet das Humboldt-Forum, die Erweiterung des Bode-Museums und die Platzierung der Berliner Museen im internationalen Kontext der großen Universalmuseen, auch im Blick auf Partnerschaften mit Fernost.

          Bleibt also alles so, wie es ist, Sie würden nichts anders machen?

          Ein Thema, das mich beschäftigt, ist, wie wir die Profile der einzelnen Häuser schärfen, und wie wir die Aufmerksamkeit auf die Unterschiede der einzelnen Standorte lenken. Im engen Kontakt mit Udo Kittelmann...

          ... dem neuen Direktor der Berliner Nationalgalerie und verantwortlich für mehrere Häuser unter diesem Dach ...

          ... werde ich natürlich auch über das kommende Ausstellungprogramm nachdenken.

          Irgendwelche konkreten Projektideen?

          Sagen wir so: Nichts, was zu diesem Zeitpunkt spruchreif wäre. Ein Schwerpunkt wird in Zukunft aber der Ausbau des Besucherservice sein, vor allem für Jugendliche und Kinder. Die Museen sollen in das Bildungssystem viel stärker eingebunden werden. Forschen sehe ich außerdem als eine Kernaufgabe der Museen an.

          Stichwort Gemäldegalerie: Wird der Plan weiterhin sein, dass man mit einem Teil der Sammlung auf das Kasernengelände zieht?

          Ich halte es für falsch, zu denken, dass dadurch die Sammlungen auseinandergerissen würden. Im Gegenteil, es gilt, sie zusammenzuführen. Wir müssen an Wilhelm von Bodes Museumskonzept anschließen, die Gemälde müssen wieder in einen Dialog mit den Skulpturen des Bode-Museums treten. Daher geht es auch nicht darum, Sammlungen willkürlich zu verschieben, sondern darum, sie in inhaltlich aufeinander bezogenen Kontexten zu präsentieren.

          Museen planen weit voraus. Wann werden wir die erste Ausstellung sehen, die unter Ihrer Leitung entstanden ist?

          Meine Aufgabe ist es als Generaldirektor ja nicht, Ausstellungen zu kuratieren. Das kann ich machen, als Kür, wenn ich meine, ich sollte das tun. Bis tief ins Jahr 2009 ist natürlich alles schon vorgeplant, dieses Programm wird von uns übernommen.

          Was wird Ihre erste Amtshandlung sein, wenn Sie Ihr Büro beziehen?

          Ich erhalte Besuch: Herr Direktor Lu vom chinesischen Nationalmuseum kommt nach Berlin und wir werden ihn auf der Museumsinsel empfangen.

          Und was wird da besprochen werden?

          Mit China stehen die drei großen Museen - Berlin, München, Dresden - im engen Dialog. Lu befindet sich auf Deutschlandreise und wird alle drei Orte besuchen. Das Treffen dient zur Vorbereitung einer Ausstellung in China, die von den drei deutschen Partnern gemeinsam kuratiert wird. Die Partnerschaft soll noch enger werden; wir planen auch ein Austauschprogramm für Wissenschaftler.

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