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Merian-Ausstellung in Berlin : Das ist ja wie in einer Kathedrale

Eine Berliner Ausstellung ordnet Maria Sibylla Merian in die florale Tradition ein. Gezeigt werden dabei Bilder unterschiedlicher Künstler, die Konventionen und den Willen zur Genauigkeit der Darstellung abbilden.

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          Die Blumen stehen in schönstem Wuchs, die Stengel tragen ausladende, fein gemusterte Blüten, und während die Formen der Pflanzen klar und aufs Wesentliche reduziert sind, leuchten die Farben frisch und tragen einen feinen Schimmer, so wie man es von den frühen Arbeiten der Blumenmalerin Maria Sibylla Merian kennt. Tatsächlich galten die hundertsiebzig Miniaturen, die wohl als Buch zusammengebunden waren und im Berliner Kupferstichkabinett aufbewahrt werden, als Werke dieser Künstlerin. Erst jüngst wurden sie einem anderen Maler zugeschrieben, dem Karlsruher Johann Bartholomäus Braun (1626 bis 1684), der dem Markgrafen von Baden-Durlach außerdem als Kammerdiener und Zitherspieler diente.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Dass die Arbeiten der Maria Sibylla Merian in einer langen künstlerischen Tradition stehen, ist Gemeingut der Forschung. Sie wuchs in einer Umgebung auf, in der Maler, aber auch Verlagsmitarbeiter präsent waren, wodurch die Verbindung von Herstellung und Distribution von Kunstwerken dem 1647 in Frankfurt am Main geborenen Mädchen schon früh selbstverständlich gewesen sein muss. Ihr Vater, der als Zeichner und als Verleger von illustrierten Werken zu Ruhm gelangt war, starb bereits 1650, als seine Tochter drei Jahre alt war. Ihr Stiefvater, der Blumenmaler und Kunsthändler Jacob Marrel, war wiederum Schüler des Stilllebenmalers Georg Flegel, und Maria Merian heiratete 1665 mit Johann Andreas Graff einen Schüler Marrels. Bald trug sie mit Bildern zum Unterhalt der Familie bei.

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          Wie weit aber diese Traditionslinien reichen und wie sie beschaffen sind, das veranschaulicht ganz ausgezeichnet eine Ausstellung, die jetzt im Berliner Kupferstichkabinett zu sehen ist und danach im Frankfurter Städel gezeigt werden wird. Sie greift aus bis ins mittlere 15. Jahrhundert und stellt eine Kostbarkeit an den Anfang: ein Lehrbuch für Blattrankenmaler, die Handschriften und ebenso frühe Drucke mit floralen Motiven ausstatteten. Tatsächlich finden sich bis ins Barock und darüber hinaus Vorlagenblätter für die Gestaltung von realen, aber stilisierten Pflanzen, die dann in der Regel nicht nach der Natur geschaffen wurden, auch wenn sie mit Attributen wie der Krume oder knabbernden Tieren versehen wurden, die gerade die unmittelbare Anschauung der Pflanze bezeugen sollten.

          Was hier an frühen Beispielen für Pflanzenmalerei gezeigt wird, erinnert mit den glatten Flächen und den harmonisch geschwungenen Linien an den floralen Skulpturschmuck in Sakralbauten, und tatsächlich ist gerade in der Behandlung des Floralen schon sehr früh der Wille zur ornamentalen Verwendung sichtbar: Selbst in den aufkommenden Apothekerbüchern des 15. Jahrhunderts, von denen hier einige ausgestellt sind, ist kaum eine Pflanze über das Bild zweifelsfrei zu identifizieren.

          Mit dem aufkommenden allgemeinen Interesse an der Botanik ändert sich auch dies, die Illustrationen werden detaillierter und zugleich prächtiger. Ein zentraler Moment in der Geschichte der Pflanzenmalerei ist dann die Entstehung des monumentalen Tafelwerks „Hortus Eystensis“, in Auftrag gegeben vom Eichstätter Fürstbischof Johann Konrad von Gemmingen, erschienen 1613. Zwei handkolorierte Exemplare dieses raren Riesenwerks sind hier ausgestellt, dessen Bindung wegen der schwierigen Zuordnung von Bild und Erläuterung den Beteiligten offenbar einige Probleme bereitete.

          Vor diesem Hintergrund betrachtet man Merians Pflanzen- und Insektenbilder durchaus mit neuen Augen, man sieht die Konventionen, aber auch den Willen, sie zugunsten einer größeren Exaktheit gerade auf den späteren Tierbildern hinter sich zu lassen. Das betrifft etwa die „Metamorphosen“ von 1705, die ein größeres Format beanspruchen und sehr viel weniger ornamental gehalten sind.

          Was hier dennoch zusammengehört, der Wille zur Schönheit und zur exakten Darstellung der Natur, verliert sich im Werk späterer Maler wie etwa Johann Christian Reinhart, für die die Flora nun eher als wirkungsvolles Landschaftselement dient. Auch davon erzählt diese Ausstellung in ihrer letzten Abteilung.

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