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Gespräch mit Max Hollein : In San Francisco muss man sich rasant entwickeln

Prinzipiell hat ein Präsident Donald Trump und seine Politik keinen Einfluss auf die Museen – wie gesagt, es gibt nicht wirklich eine Kulturpolitik in Amerika. Zudem sind die Museen und die Kulturinstitutionen eben alle, mehr oder weniger privat finanziert. Sagen wir so: Hätte Marine Le Pen in Frankreich die Wahl gewonnen, hätte das eine direkte Auswirkung gehabt auf den Louvre oder das Centre Pompidou, das hätte sofort zu Umbesetzungen geführt. Das geschieht hier nicht. Und San Francisco ist außerdem eine der liberalsten Städte, die es überhaupt gibt. Hier ist die Mehrheit in einer Antihaltung, das sorgt natürlich für eine gewisse weitere Polarisierung der Meinungen und Diskurse. Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Ich bin mit der Idee hierhergekommen, da war Trump noch gar nicht gewählt, die schon erwähnte Ausstellung über die Mode des Islams zu machen, über deren ganze Komplexität, aber auch Entwicklung und dann die Diskussion darum, diese unglaublich lebendige Modeszene eben. Plötzlich wurde diese Ausstellung gesehen – als direkte Antwort auf Trump. So war sie nicht gedacht, aber natürlich muss sie jetzt dazu Stellung nehmen. Also insofern wirkt sich Trumps Wahl schon aus.

Wie ist denn das Verhältnis der amerikanischen Museen zum Kunstmarkt, zum Kunsthandel und zu den Galerien, vor allem für zeitgenössische Kunst? Muss man sich das enger vorstellen, als es hierzulande im Allgemeinen ist? Eher als eine Art produktive Zusammenarbeit?

Einerseits ist das Verhältnis zwischen dem Kunstmarkt und den amerikanischen Museen ein deutlich engeres. Das hat eben mit der Struktur der Governance zu tun und trifft insbesondere auf Museen für moderne und zeitgenössische Kunst zu. Weil die Aufsichtsräte der Museen oft auch mit Sammlern besetzt sind, die am Kunstmarkt sehr aktiv sind, ist da eine viel größere Nähe, als wenn im Aufsichtsrat der Kulturminister sitzt. Ich sehe das aber prinzipiell nicht negativ. Es ist natürlich klar, dass ein großer Mäzen, der, sagen wir, eine Vorliebe hat für Jean-Michel Basquiat, insbesondere eine Erwerbung von Basquiat seitens des Museums unterstützen würde. Nicht, weil er denkt, okay, jetzt beeinflusse ich den Markt. Aber weil er natürlich selbst ein Basquiat-Sammler ist, er findet das wichtig. Er wäre empfänglich, wenn der Direktor ihn fragt: Wir brauchen unbedingt einen Basquiat, hilfst du uns, einen zu kaufen, oder schenkst du uns einen? Die Verantwortung – und die Kunst des Museums und des Direktors – liegt darin, das Portfolio so breit zu streuen, dass daraus für das Museum die richtige Mischung kommt. Die Leute haben alle eine Mission, nicht weil sie unangenehm oder aggressiv Einfluss nehmen wollen. Deswegen ist dieses board structuring eine ganz wesentliche Aufgabe: zu schauen, dass man die richtige Gruppe an Mäzenen und an Leuten hat, die mit verschiedenen Bereichen verbunden sind aufgrund ihrer privaten Vorlieben und Passionen.

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Was ist im Ganzen aus Ihren Erwartungen an Amerika, an San Francisco geworden? Haben Sie manchmal noch Sehnsucht nach Frankfurt?

Ich denke, das muss ich zugeben, immer wieder an Frankfurt, an meine Arbeit dort, an die Kollegen und an die Museen. Das ist so, wenn Sie fünfzehn Jahre irgendwo gearbeitet haben, und es war auch eine wunderbar perfekte Zusammenarbeit. Wenn Sie neu in eine Institution kommen, müssen Sie vieles neu sortieren. Es sind hier 550 Mitarbeiter, es ist alles quasi doppelt so groß wie in Frankfurt. Aber das war durchaus zu erwarten. Und natürlich ist es etwas anderes, in Europa oder in Frankfurt zu leben, allein aufgrund der Nähe zu den anderen Städten. Ich glaube, das ist der größte Unterschied: Von Frankfurt aus sind Sie in einer Stunde in Paris, in London, in einem anderen kulturellen Umfeld. Das müssen Sie hier anders kompensieren. San Francisco ist ja eine Stadt, in der die unterschiedlichsten Communities eng zusammenleben, innerhalb von zehn Straßenzügen glauben Sie, von Mexiko nach China gekommen zu sein. Aber innerhalb eines großen gemeinsamen Kulturkreises zu sein, das geht einem hin und wieder natürlich auch ab.

Hat Frankfurt auch eine Bedeutung für die Museen in San Francisco?

Frankfurt setzt Maßstäbe, und das wurde durchaus auch in Amerika und in San Francisco beobachtet. Wir haben da eine Vorreiterrolle in manchen Bereichen gespielt, mit der digitalen Erweiterung oder auch mit Ausstellungen, die sehr breitenwirksam waren, aber auch von hoher Komplexität. Das wird sehr stark und sehr positiv wahrgenommen, und das freut mich sehr, natürlich auch für die Kollegen und für die Museen in Frankfurt. Ich glaube, dass vieles, was wir in Frankfurt gemacht haben, ein Referenzprojekt ist. Und Frankfurt war und ist ein perfektes Umfeld für die deutsche Kultur, in ihrer Gesamtheit. Ich glaube, das ist etwas ganz Besonderes.

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