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Gespräch mit Max Hollein : In San Francisco muss man sich rasant entwickeln

Das sind die Legion of Honor und das M.H.de Young Museum, zwei große, sehr unterschiedliche Museen. Die Legion of Honor ist eine Gemäldegalerie und graphische Sammlung, die Stärken liegen im Altmeister-Bereich, dem neunzehnten Jahrhundert, insbesondere Frankreich, mit einer der besten Rodin-Sammlungen weltweit. Das Gebäude ist eine Kopie des Légion-d’honneur-Gebäudes in Paris und wurde, typisch San Francisco, hier im Maßstab von eins zu drei viertel aufgebaut. Die Gründerin, Alma Spreckels, war eine leicht exzentrische, sehr interessante Frau, ihre Sammlung ist die Basis. Das Museum ist recht bekannt, auch weil Hitchcock dort berühmte Szenen für „Vertigo“ gedreht hat. Das de Young Museum sitzt mitten im Golden Gate Park, es war einer der Pavillons bei der „Panpacific Exhibition“ 1904. Die Sammlung ist eklektisch. Wir haben Stammeskunst und die Rockefeller-Sammlung amerikanischer Malerei des neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts als Schenkung. Es gibt mexikanische und zeitgenössische Kunst, auch eine herausragende Kostüm- und Textiliensammlung – ein bisschen ein Potpourri. Zusammen haben die Fine Arts Museums rund 1,6 Millionen Besucher im Jahr und mehr als 100.000 Mitglieder. Für mich stellen die Häuser zwei verschiedene Modelle von Museum dar. In der Legion of Honor wird Kunst in Retrospektiven gefeiert, als Nächstes eine große Gustav-Klimt- und Auguste-Rodin-Schau. Im de Young findet demnächst eine Ausstellung zu „Fashion of Islam“ statt. Mir ist es auch wichtig, dass die Häuser ihr Programm selbst machen, vorher war das Modell: Wir holen große Sammlungen aus Europa und stellen sie hier aus. Gerade bereiten wir für die Legion of Honor eine Rubens-Ausstellung vor und eine zu den Präraffaeliten und ihren Vorbildern, also Dante Gabriel Rossetti mit Botticelli, mit Van Eyck oder Bellini. Weil die Museen fünf Jahre lang ohne starke Führung waren, war das erste Jahr zudem eine große Managementaufgabe, neben der inhaltlichen Entwicklung und Ausrichtung.

Wird es da denn Kooperationen mit Europa, mit Frankfurt geben?

Mit Frankfurt wollen wir natürlich gerne kooperieren. Das Städel hilft auch mit Leihgaben, und wir sind eng verbunden, wie auch mit anderen deutschen Häusern. Ich denke, dass die Ausstellung zu „Fashion of Islam“ in Deutschland touren wird, da gibt es großes Interesse von verschiedenen Museen. Eine andere Zusammenarbeit gibt es mit dem Liebieghaus in Frankfurt. Wir zeigen in San Francisco die neueste Entwicklung der Polychromie-Forschung.

Die „bunten Götter“ kommen also bis nach San Francisco. Sie haben aber noch andere Verbindungen zu den großen Häusern in Europa. Bleibt das so?

Ich fliege demnächst wieder nach St.Petersburg, weil ich im Aufsichtsrat der Eremitage bin, das ist eine enge Verbindung, auch Freundschaft. Ganz anders geartet ist mein Aufsichtsratsposten im Palais de Tokyo in Paris. Ich bin kein Museumsdirektor, der nur im zeitgenössischen Bereich tief verhaftet ist. Und dann gehöre ich noch zum Board der Neuen Galerie in New York. Diese unterschiedlichen Spektren und inhaltlichen Ausrichtungen haben mich immer interessiert, das habe ich auch nach San Francisco mitgebracht. Und da sehe ich natürlich auch eine Chance – für uns als Institution und für mich persönlich –, mit Kollegen und Freunden engere Beziehungen zu San Francisco und der Bay Area zu knüpfen.

Hat eigentlich die aktuelle Politik Einwirkungen auf Ihre Museen?

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