https://www.faz.net/-gqz-8guez

Cattelan-Plastik versteigert : Fünfzehn Millionen für Hitler auf Knien

  • -Aktualisiert am

Cattelan inszeniert Adolf Hitler mit einem Überraschungseffekt: im Jungenkörper mit Oberlippenbart. Bild: AFP

Die Ausstellung dieses Werkes in Warschau hatte vor Jahren für Empörung gesorgt – versteigert wurde es in New York am Sonntag für 15 Millionen Euro: Maurizio Cattelans Skulptur „Him“ bei Christie’s.

          Während Adolf Hitler selbst als Künstler scheiterte, zählt er mit anderen Herrschern totalitärer Regime als viel verwendetes Motiv in Literatur, Malerei und Filmkunst. Auch die Formsprache des Nationalsozialismus findet in der Kunst Verwendung – Jonathan Meeses „Diktatur der Kunst“ ist nur ein Beispiel hierfür. Die Faszination der Macht wird vielseitig inszeniert.

          Angeblich von Hitler selbstgemalte Aquarelle tauchen immer wieder auf dem Kunstmarkt auf. Jetzt hat das New Yorker Auktionshaus Christie's eine Hitler-Plastik versteigert – für 17,2 Millionen Dollar, umgerechnet rund 15 Millionen Euro. Das etwa ein Meter hohe Werk namens „Him“ stammt von dem italienischen Künstler Maurizio Cattelan und zeigt einen kindsgroßen Hitler kniend mit verschränkten Händen.

          In drei Exemplaren gefertigt aus Wachs, menschlichem Haar und Kunstharz, war die Skulptur vor Jahren im Zentrum für Gegenwartskunst in Warschau zu sehen gewesen. Dass sie an einem Ort ausgestellt worden war, wo sich einst das jüdische Getto befunden hatte und Tausende Menschen getötet worden waren, hatte viel Kritik hervorgerufen. Womöglich hat auch das zum hohen Auktionsergebnis beigetragen.

          Obwohl der Künstler seit einigen Jahren durch seine Werke für Empörung sorgt, lehnt er die Bezeichnung als Provokateur ab. „Ich glaube, dass die Realität viel provokanter ist als meine Kunst“, sagt er in einem Interview. „Falls Sie denken, dass meine Arbeit provoziert, bedeutet es, dass die Realität extrem provokant ist und wir einfach nicht darauf reagieren. Vielleicht achten wir nicht mehr darauf, wie wir in dieser Welt leben. Wir sind anästhetisiert.“ 

          Cattelan will seine Hitlerplastik als Symbol purer Angst und schrecklichen Schmerzes verstanden wissen. „Hitler ist überall“, sagt der 1960 geborene Künstler und erklärt, dass er sich mit der Skulptur dem Bösen in der Welt stellen wollte und den Betrachter mit der Frage konfrontieren, inwieweit die Greueltaten des Hitler-Regimes jemals vergeben werden könnten. Um bloße Aufmerksamkeit hingegen sei es ihm damit nie gegangen.

          Weitere Themen

          „Little Joe“ Video-Seite öffnen

          Filmclip : „Little Joe“

          Auch in Konkurrenz um die Goldene Palme: Das Science-Fiction-Drama „Little Joe“ von Jessica Hausner, der am 17. Mai 2019 im Rahmen der 72. Internationalen Filmfestspiele von Cannes seine Premiere feierte.

          „A Hidden Life“ Video-Seite öffnen

          Filmclip : „A Hidden Life“

          Das biografisch gefärbte Filmdrama „A Hidden Life“ von Terrence Malick feierte auf den Internationalen Filmfestspielen in Cannes 2019 seine Premiere und konkurriert dort um die Goldene Palme.

          Kommt damit klar!

          „Zerstörung der CDU“ bei Youtube : Kommt damit klar!

          „Ihr sagt doch immer, dass die jungen Leute mehr Politik machen sollen“: Ein politisches Video des Youtubers Rezo sorgt unter Jugendlichen für Aufregung. Sein Titel: „Die Zerstörung der CDU“.

          Topmeldungen

          Österreichs Regierung am Boden : Von der Musterehe zum Rosenkrieg

          Aus den Rissen in der türkis-blauen Koalition wurden durch die Ibiza-Affäre in beeindruckender Geschwindigkeit Gräben. Die Neuwahl ist für Sebastian Kurz eine Chance, mehr Stimmen für die ÖVP zu gewinnen – aber sie birgt auch ein großes Risiko.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.