https://www.faz.net/-gqz-9omao

Maler Hans Olde : Ein Bild, zehn Stiere wert

Sachliche Romanzen am Meeresstrand: Der Maler Hans Olde, aufgewachsen in Holstein, machte in Weimar und Kassel Karriere. Jetzt widmet das Schloss Gottorf ihm eine große Retrospektive.

          4 Min.

          Was das Gemälde zeigt, das Hans Olde 1896 fertigstellte und das heute den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gehört, hängt vom Betrachter ab und dabei nicht zuletzt davon, ob er mit der Szenerie vertrau ist. Der städtische Kunstfreund wird vielleicht die Landschaft loben, die Bäume, die sich gegen den oberen Bildrand stemmen, er wird den durchscheinenden Himmel schätzen, die Wiese und das Paar im Vordergrund, den Mann mittleren Alters, der sich in seinem offenbar leichten Gang auf einen Stab stützt, während hinter ihm ein kräftiger Stier trottet. Wer allerdings die abgebildete Gegend aus eigener Anschauung kannte, wird sich möglicherweise auf den Stier konzentriert haben, so wie der Mitarbeiter der „Kieler Zeitung“, der das Bild 1896 sah und sogar „das Original“ des Stiers identifizierte: „Es steht im Stall des Herrn Bruun von Neergard auf Eckhof, heißt ,Barbarossa‘, ist am 10. März 1892 im Christian-Albrechts-Koog von einer preisgekrönten Mutter aus dem Tonderschen geboren.“

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Hans Olde (1855 bis 1917) hatte es Zeit seines Lebens mit einem heterogenen Publikum zu tun, und es mag sein, dass die überraschenden Wendungen seiner künstlerischen Entwicklung auch damit zu tun hatten, dass er sich ganz unterschiedlichen Erwartungen ausgesetzt sah. Sein Vater, ein Großbauer aus Süderau in der Nähe von Itzehoe, hatte den einzigen Sohn zu seinem Nachfolger bestimmt und war mit dessen Entscheidung, als fertiger Landwirt mit 24 Jahren ein Studium an der Münchner Kunstakademie aufzunehmen, gar nicht einverstanden.

          Starke Kontraste

          Der junge Olde lernte von Lovis Corinth, der ihn später sogar porträtierte, er fertigte aber auch ein Selbstbildnis an, das insgesamt noch ganz glatt und konventionell gehalten ist und wohl einen selbstbewussten jungen Künstler zeigen soll, allerdings mit einem Detail, das unruhig macht, je mehr man sich darin vertieft. Denn die linke Hand des Malers, die den Pinsel hält, wie um ihn zu präsentieren, ist auffällig unklar und verwischt, besonders im Vergleich zu den klar konturierten Zügen des Gesichts. Die Malerhand, so kann man sich das deuten, ist noch unsicher, während der Kopf schon genau weiß, wohin die Reise geht.

          Olde ging auf Malerreise nach Esbjerg und Fano, wo er eine wundervolle Ansicht vom Strand malte, ein Höhepunkt auch in der Sammlung ihres jetzigen Besitzers, des Museums Kunst der Westküste in Alkersum auf Föhr. Die starken Kontraste von Hell und Dunkel, die vor allem ein Paar im Vordergrund des Bildes fast völlig verschattet erscheinen lassen, setzt Olde überlegen für eine sachliche Romanze ein: Das Paar geht nebeneinanderher, er raucht, sie strickt im Laufen, und die drei Jungen, die sie im Hintergrund beobachten, werden sich bald einem anderen Gegenstand zuwenden, so unspektakulär ist dieser Spaziergang.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Franziska Giffey: Möchte die Berliner mit dem Thema Innere Sicherheit überzeugen.

          Parteitag der Berliner SPD : Giffey will es wissen

          Auf dem ersten hybriden Parteitag der Berliner SPD wirbt die Bundesfamilienministerin für ihre Führungsrolle in der Hauptstadt. Zu ihrer Doktorarbeit sagt sie nichts. Nun kommt es darauf an, wie stark ihre Partei sie machen will.
          Ein AfD-Mitglied beim Landesparteitag der AfD Rheinland-Pfalz am vergangenen Wochenende

          Vor dem Parteitag : Die AfD trifft sich im Wunderland

          Rund 600 Delegierte wollen auf dem Gelände des einstigen Kernkraftwerks in Kalkar über ein Rentenkonzept debattieren – unter strikter Einhaltung der Maskenpflicht, sonst droht ein Abbruch.
          Torreiche Partie: Wolfsburg besiegt Bremen.

          5:3-Sieg gegen Bremen : Wolfsburg gewinnt packendes Nordduell

          Das Spiel zwischen Wolfsburg und Bremen entwickelt sich schnell zu einer turbulenten Partie. Beide Mannschaften liefern sich einen sehenswerten Schlagabtausch. Am Ende freuen sich die Wölfe über einen verdienten Jubiläumserfolg.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.