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Therapie im Doppeldeckerbus : Wie fühlt sich der Brexit an?

  • Aktualisiert am

Der „London Talks Brexit“-Bus ist Teil des vierjährigen Projekts „Curating London“, das die Meinungen der Londoner zum Brexit dokumentiert. Bild: dpa

Ein Projekt des Museum of London dokumentiert die Stimmung in der britischen Hauptstadt für die Nachwelt. In mehr als hundert Gesprächen offenbaren sich vor allem Verwirrung, Frust und Überdruss.

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          Wenn Domenico Sergi in diesen Tagen seinen roten Doppeldeckerbus besteigt, will er sich nicht etwa auf Sightseeingtour durch London begeben: Der italienische Völkerkundler ist in eigener Forschungsmission unterwegs. Inmitten der Brexit-Krise nimmt Sergi den Londonern im Auftrag des Museum of London quasi den Puls und ergründet die Stimmung in der Bevölkerung, um sie für die Nachwelt zu dokumentieren.

          Mit dem Projekt will der Anthropologe dazu beitragen, künftigen Generationen von Londonern einen bedeutenden Moment in der Geschichte ihres Landes zu vermitteln. Das Projekt „Brexit Talks“ ist dabei Teil eines auf vier Jahre ausgelegten Programms des britischen Kulturrates.

          Ein Befund steht jetzt schon fest: „Der Brexit beeinflusst sämtliche zwischenmenschlichen Beziehungen“ der Briten untereinander.“ Der Doppeldeckerbus macht im Vorort Hillingdon im Westen von London Station – und der 39 Jahre alte Sergi erzählt von den wichtigsten Erfahrungen, die er und sein Team bei ihren inzwischen mehr als hundert Gesprächen gewonnen haben. Besonders, sagt er, beeinflusse der Brexit die Dynamik innerhalb von Familien.

          Verwirrt angesichts des Chaos

          Knapp zwei Jahre nach dem Referendum und unendlich viele Diskussionen später fühlten sich viele der Menschen, mit denen er spreche, einfach nur noch müde, berichtet Sergi. „Die Leute sind überfordert von der öffentlichen Diskussion und verwirrt angesichts des Chaos, das rund um sie herum herrscht.“ Viele seiner Gesprächspartner seien ganz erleichtert darüber, ihm dazu ihr Herz ausschütten zu können. Vor wenigen Tagen erst sei er einem Paar begegnet, bei dem ein Partner für den EU-Ausstieg und der andere dagegen gestimmt hatte.

          Neben Stimmen von Londonern sammelt Sergi auch Brexit-Artefakte. So bat er den Chef des Klempnerunternehmens „Pimlico Plumbers“, Charlie Mullins, ihm eine seiner Werbetafeln mit dem Slogan „Bollocks to Brexit“ (etwa: Schwachsinns-Brexit) als Museumsstück zu überlassen.  „Wir waren ziemlich überrascht zu sehen, wie viele Unternehmen auf den Brexit-Zug aufgesprungen sind, um ihre Produkte zu verkaufen und die Diskussion in eine bestimmte Richtung zu lenken“, sagt der Italiener.

          Während Sergis Stopp an der Brunel-Universität im Wahlkreis des Brexit-Befürworters Boris Johnson sind nicht alle befragten Akademiker bereit, sich an seinem Forschungsprojekt zu beteiligen.

          Die Gastprofessorin Sally Broughton Micova, eine Dozentin in politischer Kommunikation an der University of East Anglia, lässt sich dagegen bereitwillig befragen. „Irgendwann in 20 Jahren werden die Leute zurückblicken und ihre Lehren aus dem ziehen, was jetzt passiert“, sagt sie. Allein deshalb sei es wichtig, jetzt möglichst viele Stimmen von Beobachtern zu sammeln.

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