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Rembrandt-Jahr : Neue Sicht auf alte Meister

Auf dem Tablet werden in Brüssels Museen der Schönen Künste Details von Bruegels „Sturz der Engel“ sichtbar. Bild: Piet De Kersgieter

Die Niederlande feiern Rembrandt-Jahr, Belgien begeht den 450. Todestag Pieter Bruegels: Ein Anlass für spektakuläre Ausstellungen.

          5 Min.

          Sobald das Rijksmuseum in Amsterdam morgens die Pforten öffnet, drängen sich die Menschen vor Rembrandts „Nachtwache“: Kinder sitzen zu Füßen des Meisterwerks, während eine Kunstpädagogin erzählt, weshalb auf der knapp vier Meter hohen Leinwand ein Mädchen im weißen Kleid durch eine chaotisch wirkende Gruppe von Männern mit Schwertern und Lanzen hindurchhuscht, die aussehen, als wollten sie aus dem Gemälde geradewegs in den Museumssaal hinausmarschieren und Aufstellung unter den Besuchern nehmen. Ältere Herrschaften lassen von Klappstühlen aus die Blicke über das 1642 begonnene Bild schweifen, das die Mitglieder der Amsterdamer Schützengilde zeigt. Gruppen mit Audioguide im Ohr kommen und gehen. Pärchen schießen Selfies mit dem Rembrandt im Rücken, neben dem ähnliche Gildenporträts wie das seines Zeitgenossen Anton van Dyck im selben Saal steif aussehen wie eine Familienaufstellung beim Fotografen anno 1900 neben einem Szenenbild aus dem neuesten Actionfilm.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          So ist es immer - mehr als zwei Millionen Menschen kommen jedes Jahr, um dieses Bild zu sehen -, so ist es auch jetzt, nur ist der Saal noch ein bisschen voller als sonst. Die Niederlande feiern den 350. Todestag von Rembrandt Harmenszoon van Rijn mit Ausstellungen im ganzen Land. In Leiden, der Geburtsstadt des Künstlers, gibt es von November an im frisch renovierten Museum De Lakenhal Werke des jungen Rembrandt zu bestaunen. Das Mauritiushuis in Den Haag würdigt den Jubilar bis zum 15. September mit einer Sonderschau, die anhand von Spitzenwerken erklärt, wie man einen echten von einem falschen Rembrandt unterscheidet. Auch die Museen in Delft, Doordrecht, Haarlem, Hoorn und Middelburg machen Programm zu Rembrandt und dem Goldenen Zeitalter, in dem Handel und Kultur einen nie gesehenen Aufschwung erlebten in sieben niederländischen Provinzen, die sich 1648 die Unabhängigkeit von den Spaniern erkämpft hatten.

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