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Limes-Museum in Aalen : Im Wilden Westen des Römischen Reichs

Kriegsmaske eines Imperiums: Gesichtshelm eines Reitersoldaten aus einer römischen Villa bei Birkenfeld-Gräfenhausen Bild: Landesmuseum Württemberg

Das Limes-Museum in Aalen ist ein wichtiges Schaufenster in die deutsche Geschichte während der Römerzeit. Jetzt hat es seine Dauerausstellung neu gestaltet.

          Das Jahr 253 ist ein Unglücksjahr in der Geschichte des Römischen Reiches. Die Tausendjahrfeier der Gründung Roms liegt gerade vier Jahre zurück, aber es sieht nicht so aus, als würde das Imperium noch eine weitere Dekade überstehen. Im Osten erobert der persische Großkönig die syrische Metropole Antiochia. In Niedermösien, dem heutigen Bulgarien, lässt sich der Statthalter Aemilianus von seinen Truppen zum Kaiser ausrufen und zieht nach Italien, wo er den legitimen Herrscher Trebonianus besiegt, der von seinen Soldaten erschlagen wird. Ein Entsatzheer, angeführt von Valerian, dem Statthalter der Limesprovinz Rätien, kommt zu spät, so dass Valerian nun selbst nach dem Purpur greift. Die Alamannen dagegen nutzen die Abwesenheit regulärer römischer Einheiten dazu, den rätischen Limes zu überrennen und die Siedlungen nördlich der Donau zu plündern.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          In diesem Jahr wird die jüngste und letzte Münze geprägt, die sich auf dem Gelände des Römerkastells in Aalen gefunden hat. Sie zeigt den Kopf des Aemilianus, der nur drei Monate regierte, bevor er im September 253 ermordet wurde, und sie markiert das Ende der römischen Herrschaft im östlichen Dekumatland, der Landschaft zwischen Limes und Donau.

          Das Kastell unter den „Maueräckern“

          Knapp hundert Jahre lang hatte die Ala II Flavia Milliaria Pia Fidelis, eine tausendköpfige Reitereinheit, von Aalen aus die Täler der Rems und des Kocher und die Straßenverbindung mit der Provinzhauptstadt Augsburg bewacht. Jetzt, womöglich im Gefolge der Thronkämpfe in Italien, zog sie ab. Die Alamannen rückten nach. Brandspuren und Geschossspitzen zeugen vom Untergang des Kastells. Auch der Vicus, die Handwerkersiedlung im Vorfeld zwischen Aalfluss und Kocher, erlosch. Mehr als anderthalb Jahrtausende lang ruhten die Gebäudereste unter der Erde der „Maueräcker“, wie sie die Einheimischen nannten, dann begannen die Ausgrabungen. Heute steht auf dem Areal des Römerkastells das Limesmuseum Aalen.

          Das Museum, eine Schöpfung der frühen sechziger Jahre, wurde vor kurzem nach zweijähriger Sanierung und Umgestaltung wiedereröffnet, so dass das Haus nun wieder seine Schlüsselstellung unter den deutschen Antikenmuseen einnimmt. Denn während die Sammlungen in Köln und Mainz um den Alltag und die Kulte einer römischen Großstadt kreisen und die Museen in Haltern und Kalkriese die Kriegszüge in Germanien und die Varusschlacht in den Mittelpunkt stellen, wird in Aalen die kurze Phase imperialen Einflusses in Südwestdeutschland dokumentiert. Die Flüchtigkeit des Phänomens, das sie zeigt, macht den Charme der Aalener Präsentation aus. Das Kastell, dessen Mauerreste vor den Fenstern des Museums liegen, war der größte römische Reiterstützpunkt auf deutschem Boden und ein starkes Glied in einer Kette von Festungen, wie sie bis zu den Kriegen der frühen Neuzeit nicht mehr existiert hat.

          Die neue Didaktik zielt auf Einfühlung

          Dennoch reichte das alles nicht aus, um den Verlust des Dekumatlandes abzuwenden. Schon die Alamanneneinfälle des frühen dritten Jahrhunderts hatten eine Zeitenwende markiert. Die Germanen kämpften jetzt auf Augenhöhe mit den Legionen. Der Raubbau an den Wäldern hatte die ökologischen Reserven des Landes erschöpft. Durch die inneren Krisen des Reiches wurde die Grenzverteidigung ausgedünnt. Als die Truppen abmarschierten, um einen der vielen Thronanwärter zu unterstützen, folgte ihnen die Zivilbevölkerung auf dem Fuß. Statt im Voralpenraum anzuwachsen, zog sich die römische Kultur auf ihre Kernländer zurück.

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