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Limburger Bischofssitz : Der Bau, von dem alle sprechen

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Bewährter Stil

Das Innere der Alten Vikarie dient den Büros des Bistums. Balkendecken und Computer, iPods und Butzen - im Treppenturm findet dieses Miteinander in einer stählernen Wendeltreppe, die sich um die spätgotische, wie ein dickes Tau geschnitzte eichene Treppenspindel windet, ein sprechendes Bild. Überhaupt war das Zusammenfügen von historischem Bestand und Neubauten die größte Herausforderung für Frielinghaus. Er setzte auf tastende Übergänge: So tritt die Schauseite des Neubaus zwischen der Alten Vikarie und einem als Nonnenwohnhaus sanierten Jugendstilhaus respektvoll in den Hintergrund. Am Rand eines schmalen, mit schönen dunklen Steinplatten ausgelegten Vorhofs gelegen, ist ihr Blickfang ein rechteckig vorspringender Pavillon mit einem sechsteiligen Bronzeportal. Unter einem weit auskragenden Flachdach tragen die vier äußeren Flügel Reliefs der vier Schutzheiligen des Bistums; die inneren schmückt das Bistumswappen; der Stil ist die seit 1945 bewährte Gratwanderung zwischen abstrakter und gegenständlicher Kunst.

Das Portal flankieren, mit Blick in das Foyer, zwei wandhohe Glasscheiben. Ihnen folgen links und rechts Wandabschnitte mit ocker leuchtenden Quaderplatten, „Trosselfels“, Kalkstein aus dem Fränkischen Jura. Er bedeckt - mit einer spektakulären Ausnahme - alle Außenwände.

Die Kapelle war kein Privatluxus des Bischofs

Vom Foyer, in dem gotische und barocke Heiligenfiguren lebhafte Kontrapunkte zur gradlinig kühlen Eleganz der Trosselfelswände setzen, blickt man in einen längsrechteckigen Innenhof. Michael Frielinghaus hat ihn als Capriccio aus römisch antikem Atrium, spätromanischem Kreuzgang und Bauhaus gestaltet: Zerbrechlich schlanke, schmucklose Doppelsäulen bilden umlaufende Arkaden, auf die an der Nordseite Diensträume, im Süden die Kapelle und im Westen die Bischofswohnung münden. Meditatives Flair verbreitet ein dreischaliger Bronzebrunnen in der Mitte, bekrönt von der Taube des Heiligen Geistes, umfasst von den Symbolen der vier Evangelisten.

Über allem schwebt die Kapelle - kein, wie die momentane Empörung es will, Privatluxus des Franz-Peter Tebartz-van Elst, sondern obligater Bestandteil jedes bischöflichen Amtssitzes. Der Sakralbau hätte auch ohne den Finanzskandal Aufsehen erregt: Dunkel, mit messerscharfen Kanten, ragt er als „Haus der Häuser“ aus dem Geviert der neuen Flachdachbauten; wörtliche Übersetzung des Begriffs Gotteshaus und ähnlich dem Atrium ein Verweis auch auf die Anfänge des Christentums in Privathäusern. „Nero Assoluto“ heißt der Stein, mit dem die Kapelle verkleidet ist; magmatischer Granit, den Feinschliff glitzern lässt. Schaut man länger auf das Flirren, scheint der Bau zu vibrieren. Den rätselhaften Eindruck verstärken langgezogene Rechteckfenster; wie mit dem Skalpell eingeschnitten, verleihen sie dem Gebäude eine sonderbar aus Zerbrechlichkeit und archaischer Wucht gemischte Anmutung.

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