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Limburger Bischofssitz : Der Bau, von dem alle sprechen

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Unbestreitbar ist, dass die Umplanungen zugunsten dieses Kunstwerks die Kosten immens in die Höhe trieb. Die wahre, fassungslos machende Verschwendung aber liegt darin, dass man die Gelegenheit nutzte, um ganze Partien des Stadtfelsens mühsam abzufräsen. Zweck: das Vermeiden von krassen Höhenversprüngen zwischen Alt- und Neubauund das Schaffen zusätzlicher Räume. Wenn etwas Hybris ist, dann dieses „Versetzen von Bergen“.

Besuchern des Saals bleibt dieser Aufwand verborgen. Sie werden dank der Glaswand fasziniert vom Blick auf mittelalterliche Mauern, die seit 1280 das Grundstück umgaben. Der heimische Schieferstein ist mit Unmengen Mörtel zu kompakten Schichten verbacken, in deren Graugelb manchmal kaltes Grün aufschimmert; es ist, als könne die Geschichte hier jeden Moment zu reden beginnen. Zumindest aber führt sie einen Dialog mit dem Klinker, der den Sockelmauern vorgeblendet ist. Seine Fugen schaffen lebhafte Licht- und Schattenspiele, sein Ockerton, gleichfalls grün durchmischt, zeigt, dass er aus heimischem Ton gebrannt ist.

Eine geschichtsträchtige Ausstrahlung

Ein kleinerer Raum im Untergeschoss mutet eher spätantik an. Eine feingeäderte geschliffene Steinplatte im einzigen Fenster filtert das Licht. Eine Wand mit tiefen viereckigen Nischen erinnert an Roms Katakomben. In ihr werden in polierten Holzkästen Reliquien verwahrt, die zuvor in Magazinen verstaubten. Keine Anbetungsstätte, aber ein würdiger Aufbewahrungsort andernorts außer Gebrauch gekommener Heiltümer. Hier zeugt Architektur von Pietät.

Bewahren spielt nicht nur im Untergrund des Amtssitzes eine große Rolle: Droben am Domplatz zieht die Alte Vikarie mit steilem Satteldach, Mittelerker und seitlichem Treppenturm die Blicke auf sich. Datiert auf das Jahr 1428, ist sie eines der wertvollsten Fachwerkhäuser der Limburger Altstadt; Hessens Denkmalverzeichnis spricht sogar vom „bedeutendsten unter den dortigen spätmittelalterlichen Wohnbauten“. Seine Rettung kam in letzter Sekunde. In den fünfziger Jahren für Kleinstwohnungen verstümmelt, wäre die Alte Vikarie über kurz oder lang eingestürzt. Entsprechend aufwendig gestaltete sich die Restaurierung: Die Nordwand sowie Teile der Balken und des Dachstuhls mussten ausgetauscht werden. Jetzt, mit einem wiederentdeckten, einfühlsam freigelegtem und verglastem gotischen Spitzbogenportal, ochsenblutrotem Fachwerk, erneuerten Sprossenfenstern und saniertem steinernen Erdgeschoss ist das Haus ein Musterfall nachhaltiger Denkmalpflege. Mit dem angrenzenden barocken Diözesanmuseum durch eine wunderbar geschwungene, historische Mauer verbunden, schenkt es dem Domberg die gebührende geschichtsträchtige Atmosphäre.

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