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Leonardo-Portrait entdeckt? : Bildnis mit Pferdefuß

Diese flüchtige Darstellung eines melancholischen Greises könnte ein Porträt des Meisters Leonardo Da Vinci sein. Bild: AP

Pünktlich zu dessen fünfhundertstem Todestag kommt man drauf, dass die bei der Queen entdeckte flüchtige Darstellung eines melancholischen Greises ein Porträt Leonardos sein könnte. Wirklich?

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          Alter und Jugend stehen sich gegenüber auf einer Skizze aus der königlich englischen Sammlung, die bislang wenig Beachtung gefunden hat in der Kunstgeschichte. Nun ist sie, am fünfhundertsten Todestag Leonardo da Vincis, plötzlich in die Schlagzeilen geraten durch die These, dass die flüchtige Darstellung eines melancholischen Greises ein Porträt des Meisters sein könne.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Martin Clayton, zuständig für die Grafiksammlung der Königin, hat die Entdeckung im Zuge seiner Forschungen für die Ausstellung „Leonardo da Vinci: Ein Leben im Zeichnen“ gemacht. Sie präsentiert zweihundert Blätter, mehr als seit 65 Jahren an einem Platz gezeigt worden sind, aus dem reichen königlichen Bestand von über 500 Zeichnungen des Künstlers (vom 24. Mai an im Buckingham Palace in London). Clayton hat die Federskizze mit dem einzigen gesicherten zeitgenössischen Porträt Leonardos verglichen, jenem Rötel-Profilbild, das der Lieblingsschüler und Erbe des zeichnerischen und wissenschaftlichen Nachlasses Francesco Melzi wohl in Frankreich von seinem Lehrer gezeichnet hat, wo er am Hofe Franz I. seine letzten Jahre verbrachte.

          Aus den Quellen ist bekannt, dass Leonardo weitaus älter wirkte als Mitte sechzig. Der müde Blick, der lange volle Bart und die Andeutung des gewellten Haares auf der bis jetzt nie ausgestellten Skizze stehen im Einklang mit Melzis weitaus detaillierterer Darstellung, die sich ebenfalls in der königlichen Sammlung befindet und auch in der Ausstellung zu sehen sein wird. Clayton weist darauf hin, dass das Tragen eines Bartes damals noch in den Anfängen stand, so dass Leonardo mit seinem üppigen Gesichtshaar aus der Reihe gefallen sei.

          Der „Hamlet der Kunstgeschichte“

          Unter der Porträtskizze und auf der anderen Seite des Blattes sind mehrere Pferdebeine gezeichnet, bei denen es sich um eines der Reiterdenkmale handelt, mit denen Leonardo beauftragt worden ist, ein Zeichen, meint Clayton, dass Leonardos künstlerische Ambitionen durch die Altersmelancholie nicht getrübt worden seien.

          Das um 1517/18 datierte Blatt lag wohl im Atelier bereit und wurde, wie damals üblich, von einem Schüler für dessen Skizzen und Kritzeleien weiterverwendet. Die Ähnlichkeit mit den Zügen Leonardos war bereits dem Kunsthistoriker Kenneth Clark aufgefallen, als er dessen Zeichnungen in der königlichen Sammlung in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts katalogisierte, doch hatte sich in der Folge niemand weiter damit beschäftigt.

          Jetzt werden Besucher sich ein eigenes Bild davon machen können, in der Schau, die den „Hamlet der Kunstgeschichte“, wie ihn Kenneth Clark nannte, fünf Jahrhunderte nach seinem Tod ehrt.

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