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Lenbachhaus München : Die goldene Versöhnung

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Nach vier Jahren Umbau eröffnet das Lenbachhaus in München wieder: Eine einzigartige Sammlung vereint die Tradition mit der Avantgarde. Der Besucher ist der Gewinner.

          Vom 8. Mai an ist es wieder geöffnet, das Lenbachhaus, „Münchens beliebtestes Museum“, wie es in der Presseerklärung zum Katalog heißt. Tatsächlich hat das mit dem Umbau beauftragte Architekturbüro Foster+Partners für diese Stellung in der städtischen Museumslandschaft eine Metapher von fast kindlicher Sorglosigkeit gewählt: Gold. Der Anbau des neuen Lenbachhauses, die Fassade, ist golden wie der Geldspeicher von Dagobert Duck oder wie ein Schatz im Märchen. Zu protzig, zu schrill, lautet die Kritik. Man muss den Architekten und Bauherren allerdings zugutehalten, dass man sich Mühe gegeben hat, den Eindruck des Klotzigen, Angeberhaften zu vermeiden.

          „Lenbachhaus“ steht in blauer Schrift an der Fassade, der Entwurf stammt von Thomas Demand, und Buchstabe für Buchstabe ist eine alte Schrift des neunzehnten Jahrhunderts mit einer modernen ineinandergefaltet. Auch die fast neunhundert Metallröhren, aus denen sich die Fassade zusammensetzt, gehen auf Altes, auf die Tradition zurück: Ocker ist der Anstrich der Lenbach-Villa, das matte Gold nimmt den Ton auf und spielt ihn mit Lichtreflexen weiter. Die Form ist schlicht, fast technisch, der Neubau umschließt die Villa von der Rückseite fest wie eine große Wegfahrsperre, als müsse man fürchten, sie könne sonst wegrollen. Das Gegenteil ist der Fall: Überrollt wurde das Museum zunehmend von Besucherströmen, die vor allem kamen, um die weltweit größte Sammlung von Kunst des „Blauen Reiters“ zu sehen, Franz Marcs „Blaues Pferd“ etwa, Wassily Kandinskys abstrakte „Improvisationen“ oder Gabriele Münters Landschaften und Porträts. 200.000 Besucher zählt das Haus durchschnittlich, 400.000 in Spitzenjahren. Man betritt bei der heutigen Eröffnung also die gebaute Erfolgsgeschichte der Moderne. Was sich vor hundert Jahren noch niemand vorstellen konnte, ist längst eingetreten: Aus Japan, China oder Amerika reisen Menschen an, um sich anzusehen, was die Künstler und Künstlerinnen hervorgebracht haben, die sich 1911 unter dem Namen „Blauer Reiter“ in München zusammenschlossen.

          Ein Gang durch die Sprachen der Kunst

          Mit dem Umbau ist eine architektonische und kunsthistorische Großzügigkeit eingezogen, die Franz von Lenbach (1836 bis 1904), dem ehemaligen Eigentümer und Namensgeber, selbst fernlag. Es war Lenbach, der Münchner Künstlerfürst und Bismarck-Porträtist, der sich das Haus von 1888 bis 1890 als Monument seines Erfolgs zu Lebzeiten erbauen ließ, toskanisch im Stil, fürstlich in der Anmutung, technisch avanciert in der Ausstattung. Er, der für den Unterhalt seiner Malerresidenz immer mehr und schneller malen musste, hatte für die „dreiste Kunstjugend“ nur Verachtung übrig, und seine dominante Stellung im Kunstsystem führte unter anderem dazu, dass sich um die Jahrhundertwende neue Künstlervereinigungen bildeten, in ihrer Gefolgschaft später der „Blaue Reiter“. Die Ironie der Geschichte brachte beide Jahrzehnte später in einem Museum zusammen: 1929 erwarb die Stadt München die Villa von Lolo von Lenbach, der Witwe; 1957 schenkte Gabriele Münter, die Malerin und Lebensgefährtin Kandinskys, dem Lenbachhaus mehr als tausend Werke des „Blauen Reiters“.

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