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Lenbachhaus München : Die goldene Versöhnung

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Von den einstigen Fehden und Streitereien ist heute nichts mehr zu spüren - im Gegenteil. Im Kosmos des neuen Lenbachhauses bilden die restaurierten Räumlichkeiten des herrischen Malers keine düstere Gegenwelt, sondern einen Teil der Vielfalt, die sich vor den Besuchern ausbreitet. Kunstgeschichte, so erhält man den Eindruck, wurde lange genug als ein Entweder-Oder erzählt, als eine Schlacht zwischen Stilen, die einander ausschließen, als richtig und falsch, gut und böse, modern oder regressiv. Der Gang durch das Lenbachhaus ist dagegen ein Weg durch die Sprachen der Kunst der letzten zweihundert Jahre, von der kleinformatigen Landschaftsmalerei eines Johann Georg von Dillis über die rauchigen historistischen Gemälde Lenbachs, die leuchtenden Bilder des „Blauen Reiters“ bis zu den Installationen von Joseph Beuys und in die Gegenwart zu Gerhard Richter, Wolfgang Tillmans, Isa Genzken oder Katharina Grosse. Dank des Engagements von Stiftern und Mäzenen konnte die Sammlung kontinuierlich wachsen: Gezeigt werden nun erstmals Werke aus der Christoph Heilmann Stiftung mit Malerei der deutschen Romantik und der Schule von Barbizon. Allein siebzehn Arbeiten von Joseph Beuys hat der Münchner Verleger Lothar Schirmer dem Haus vermacht; die KiCo Stiftung finanzierte schließlich zahlreiche Neuerwerbungen, unter anderem Werkgruppen von Monica Bonvicini oder Sarah Morris.

Aus allem wollten sie schöpfen

In der oft belächelten deutschen Malerei des neunzehnten Jahrhundert gibt es einige Entdeckungen zu machen, zwei Beispiele seien genannt: Für die Wolkenstudien, die Jakob von Dillis betrieb, ist ein traumhaft schönes Kabinett eingerichtet worden. Ein Stockwerk höher, in der Porträtsammlung, findet sich das minimalistische Bildnis eines kleinen Mädchens von 1826 aus der Hand der Künstlerin Maria Electrine Freifrau von Freyberg-Eisenberg. Der malerische Akzent liegt auf dem federweichen Haar und der durchsichtigen hellen Haut, die Kinder mit manchen Meeresbewohnern teilen. Auch das ist eine Geschichte, die ins Lenbachhaus Eingang gefunden hat: Als 1808 die „Königliche Akademie der Bildenden Künste München“ von König MaxI. Joseph gegründet wurde, erlaubte man sich Freiheiten, die später wieder kassiert wurden. Eingerichtet hatte man eine Klasse für Landschaftsmalerei, und Frauen waren zum Studium zugelassen. Beides wurde abgeschafft, die bereits errungenen Möglichkeiten der Kunst wurden wieder eingedämmt, als 1826 die Klasse für Landschaftsmalerei gestrichen und 1839 den Frauen auch in München, wie im übrigen Europa, das Kunststudium untersagt wurde.

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