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Digedag-Ausstellung in Leipzig : Was steckt darunter?

Das letzte Bild der Digedags, gezeichnet von Hannes Hegen Bild: HDG Bundesrepublik Deutschland

Mit seinen „Mosaik“-Comics galt Johannes Hegenbarth alias Hannes Hegen einst als einer der populärsten Künstler der DDR. Nun wird der Nachlass des legendären Zeichners in Leipzig ausgestellt.

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          Leipzig hat eine neue gute Stube, eine Art verwinkeltes Kinderzimmer, in dem das Zeitgeschichtliche Forum, die östliche Schwesterinstitution des Bonner Hauses der Geschichte, nun dauerhaft einen Schatz aus eigenem Bestand präsentiert: den Nachlass von Johannes Hegenbarth, den in der DDR jeder unter seinem Künstlernamen Hannes Hegen kannte. Entsprechend zahlreich ist der Besuch, während die restlichen Räume des Forums derzeit eher ausgestorben wirken.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          1955 begründete Hegen die Bildergeschichtenzeitschrift „Mosaik“, in der drei Kobolde, die Digedags, ihre Abenteuerreisen durch Raum und Zeit unternahmen: als lehrreiche Gegenentwürfe zur angeblich jugendverderbenden westlichen Comic-Kultur. Im Mittelpunkt eines großen Schwarzweißfotos, das die Wand gleich rechts hinter dem Eingang zum neugestalteten Ausstellungstrakt schmückt, steht allerdings ein Wimpel des Fußballclubs 1.FC Nürnberg, den sich ein von Günter Starke 1988 in Dresden fotografierter Junge an die Wand seines ostdeutschen Kinderzimmers gehängt hatte. Doch auf einer Kommode neben dem Bett liegt, kaum sichtbar, auch ein „Mosaik“.

          Die Digedags leben weiter

          Das allerdings ist eines ohne die Digedags, denn die mussten das Heft 1975 verlassen, als Hegen zum wiederholten Mal den Erwartungen der staatlichen Stellen an sozialistische Propaganda in der Zeitschrift nicht entsprochen hatte. 223 Ausgaben lang waren die Digedags aufgetreten, anfangs jedes Vierteljahr, von 1957 an monatlich, und das Heft war trotz riesiger Auflage Bückware, denn es ermöglichte seinen Lesern Träume vom freien Reisen – der Schriftsteller Uwe Tellkamp wird in der Ausstellung mit dem Satz zitiert, das „Mosaik“ sei für ihn wie „Tausendundeine Nacht“ gewesen. Auf dem letzten Bild mit den Digedags, das erschien, als Hegen schon wusste, dass es aus war mit seiner Serie, reitet das Trio denn auch auf Kamelen in die Weite der Wüste und winkt den Lesern ein letztes Lebewohl zu.

          Hegen zeichnete diese Seite persönlich, obwohl er schon seit vielen Jahren seine Mitarbeiter mit diesem Teil der Herstellung betraut hatte. Auf dem Originalblatt, das den Schlusspunkt der Leipziger Präsentation setzt, sieht man, dass die Digedags als Figuren nachträglich noch einmal eingeklebt wurden. Was mag unter den revidierten Zeichnungen zu sehen sein? Digedags, die nicht zurück-, sondern vorausschauen?

          Denn es war ja gar nicht aus. Seit dem Untergang der DDR leben die Digedags fort, in Sammelbänden mit ihren Abenteuern, die jedoch mittlerweile vom westdeutschen Tessloff Verlag herausgegeben werden. Der hat seinen Sitz in Nürnberg. So hat das Anfangsfoto ungeahnte Berechtigung.

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