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Harald Sohlberg in Wiesbaden : Das warme Licht des kühlen Nordens

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Die endlosen Weiten Norwegens. „Landstraße“ von 1905. Bild: O. Væring Eftf AS, Norway

Das Landesmuseum Wiesbaden zeigt die sonnendurchglühten Bilder des norwegischen Impressionisten Harald Sohlberg. Und blickt in die Seele Skandinaviens.

          Die weite Landschaft Norwegens. Am Horizont die untergehende Sonne. Der Schimmer einer Sommernacht in den Bergen. Ein Licht, das nie unterzugehen scheint. Der sehnsüchtige Blick in die Ferne. Romantisch, naturalistisch und symbolistisch zugleich. Das Gemälde „Landstraße II“ des norwegischen Künstlers Harald Sohlberg ist einer der Höhepunkte einer Retrospektive des Landesmuseums Wiesbaden, die noch bis zum 27. Oktober in das Werk eines in Deutschland wenig bekannten, aber in seiner Heimat vielrezipierten Künstlers einführt. „Mittsommernacht“ heißt die Ausstellung, die auf seinen 150. Geburtstag fällt und eine der bedeutendsten Schauen skandinavischer Kunst der letzten Jahre ist.

          Sohlberg wurde 1869 als Sohn eines Pelzhändlers in Kristiania, dem heutigen Oslo, geboren. Seine Karriere beginnt mit Umwegen in der Bühnenmalerei. Unter dem Naturalisten Wilhelm Krogh nahm er ab 1885 Unterricht an der Königlichen Kunstschule in Oslo. Nach nur vier Jahren beendete er die Ausbildung und konzentrierte sich fortan auf seine Arbeit als Künstler. Wie so viele vor ihm besuchte er Frankreich und das Deutsche Reich, um sich mit dem französischen Impressionismus und den deutschen Romantikern auseinanderzusetzen. Besonders sein kurzer, aber umso intensiverer Besuch in Weimar im Jahr 1896 wird das Spiel von Licht, Schatten und Dunkelheit in seinem Werk maßgeblich beeinflussen. Er betrachtet Caspar David Friedrichs Bilder und lernt dort Arnold Böcklin kennen.

          Grüne Natur im Lichte des Nordens

          Böcklins Gemälde üben eine tiefe Faszination auf ihn aus. Seine symbolistischen Tendenzen werden eine wichtige Inspirationsquelle für seine weitere Arbeit. Anders als für seinen Landsmann Edvard Munch, der große Teile seines Werkes in Deutschland schuf, war Weimar für Sohlberg allerdings nur eine Durchgangsstation. Sohlberg geht 1897 zurück nach Kristiania. 1899 entsteht das berühmte Gemälde „Sommernacht“. Im Vordergrund ein reich gedeckter Tisch mit Cognackaraffen, Bonbons, Obst, die roten und weißen Blumen des norwegischen Sommers. Im Hintergrund angedeutete Hügel. Grüne Natur im Lichte des Nordens. In diesem Bild wird deutlich, wie sehr Sohlberg es gelingt, mit seinen satten Farben Impressionismus, Symbolismus und Jugendstil zu vereinen.

          Düstere Ode an das Dasein. „Blumenwiese im hohen Norden“ von 1905. Bilderstrecke

          Ein anderes, ebenfalls in Wiesbaden ausgestelltes Gemälde, die Farblithographie mit dem Titel „Winternacht in Rondane“ aus dem Jahr 1914, zeigt diese Fähigkeit in noch größerem Maße. Abgebildet ist die winterliche Landschaft im mittelnorwegischen Rondane-Gebirge. Der Schimmer des hellen Mondlichts überstrahlt die vom Schnee schlohweiß gefärbten Berghänge. Im Vordergrund die typischen norwegischen Moorbirken, die ähnlich wie Caspar David Friedrichs Eichen aus dem schneebedeckten Boden erwachsen. In der Mitte ein angedeutetes Kreuz, das mit dem alles überscheinenden Mond in spirituelle Korrespondenz tritt. Das Gemälde wurde in den Neunzigern von der norwegischen Bevölkerung zum beliebtesten Kunstwerk des Landes gewählt. Sohlberg ist eine nationale Ikone. Siebzig Bilder und Grafiken von Sohlberg vereint die Schau und präsentiert damit sein gesamtes OEuvre.

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