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Das größte Labyrinth der Welt : Nur wer sich verliert, kann sich finden

Labyrinth, Galerie, Konzertsaal, Treffpunkt, Begegnungsstätte und Sommerakademie in einem: „La Masone“ bei Parma. Bild: carlo vannini(RE)

Wenn Jorge Luis Borges Architekt gewesen wäre: Franco Maria Ricci baut bei Parma das größte Labyrinth der Welt. Es handelt sich um eine Landnahme durch die Kunst. Wie aus einem Traum Wirklichkeit wurde.

          Flach, feucht, fruchtbar – von den Landschaften Italiens ist die Poebene, zumindest prima vista, die langweiligste. Und sicher diejenige, die so gar nicht unseren Sehnsuchtsbildern des bel paese entspricht. Gestern Kornkammer, heute food valley. Also nichts wie durch, das Land, wo die Zitronen blühn, liegt weiter südlich. Die Autostrada, die, schnurgerade und dreispurig, von Mailand über Parma nach Bologna führt, lässt aufs Tempo drücken. Aber Vorsicht, Nebel!

          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

          Nirgends im Land ist der Wohlstand höher, nirgends hat er die Lebensräume so verändert. Weiler und Dörfer, in denen Silos den Kirchtürmen Konkurrenz machen, einsame Straßen, die in Kreisverkehre münden. Pappelgruppen. Große Gutshöfe sind verlassen und noch größeren Komplexen gewichen, Fabriken der Nahrungsmittelproduktion, die sich mit ihren Speichern, Verarbeitungs- und Lagerhallen ausbreiten und Neubauviertel, Tankstellen, Autohändler, Bau- und Supermärkte, auch Werkhöfe, Müllhalden, Schrottplätze nachziehen. Wildwuchs der Industrialisierung und Zersiedelung.

          Eine Fata Morgana inmitten der Felder?

          Die alten Städte, eine so schön und reich wie die nächste, verschwinden dahinter. Dabei lockt jede mit einer Kathedrale, mit Kirchen-, Architektur- und Kunstschätzen: Piacenza, Cremona, Parma, Reggio nell’Emilia, Modena, Bologna. Das Geburtshaus von Giuseppe Verdi kauert am Landstraßenrand, sein Landsitz versteckt sich zwischen Bäumen. Auch Kleinstädte wie Busseto, wo sie dem Maestro ein neobarockes Theater errichtet haben, das er nie betreten hat, oder Fontanellato, wo in der Saletta di Diana e Atteone, einem fensterlosen Raum in der Wasserburg Rocca Sanvitale, Fresken des jungen, bald als „neuer Rafael“ gefeierten Parmigianino (1503 bis 1540) leuchten, haben sich Ortskerne bewahrt, in denen die Zeit stillzustehen scheint. Wie kostbar und schutzbedürftig sie sind, lässt die Bautätigkeit im Umland ermessen, die auf Wirtschaftlichkeit und Effizienz aus ist.

          Verloren im Bambus - und gefunden.

          In der Nähe von Fontanellato, zwanzig Kilometer vor Parma, hat sich ein Fremdkörper zwischen die Felder geschmuggelt, eine Landnahme durch die Kunst. Wenn das Licht diesig ist, kann man es mit der Pyramide, die hinter Mauern aufragt, fast für eine Fata Morgana halten und aus der Luft betrachtet für einen Stern, nur dass grüne Hecken ihn konturieren. Straßenmarkierungen regeln die Zufahrt, die Parkplätze sind auf Besucherströme ausgelegt, auf einer Stele steht „La Masone“. Das Wort findet sich nicht im Diktionär. Der Anklang an das englische maze legt die richtige Spur: Auf einem quadratischen Areal, dessen Seitenlänge dreihundert Meter beträgt, hat Franco Maria Ricci mit dem Vermögen, das er 2003 für seinen Verlag bekommen hat, ein Labyrinth, einen Irrgarten aus Bambussträuchern, gebaut.

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