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Pate der Arte Povera : Kurator Germano Celant gestorben

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Kuratorische Pionierarbeit: Cenlant bei einer Eröffnung im Guggenheim Bilbao. Bild: EPA

Der Kurator Germano Celant, der für das Guggenheim Museum arbeitete und die Biennale in Venedig leitete, ist einer Corona-Infektion erlegen.

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          In einer seiner letzten spektakulären Ausstellungen beförderte Germano Celant 2013 das Publikum in Venedig in eine seltsame, nachgerade surreale Zeitmaschine: In der Fondazione Prada, einem Palast aus dem frühen achtzehnten Jahrhundert am Canal Grande, bildete er mit Hilfe des Künstlers Thomas Demand und des Architekten Rem Koolhaas die Räume der Kunsthalle Bern nach – und rekonstruierte darin die einst hoch umstrittene Gruppenschau „When Attitudes Become Form“. Mit der hatte sein Kollege Harald Szeemann 1969 seinen Durchbruch gefeiert.

          Aber auch sich selbst setzte der 1940 in Genua geborene Celant mit dem aufwändigen, durchaus aberwitzigen Retro-Projekt samt dickleibigem Katalog ein eindrückliches Denkmal, denn zahlreiche Beiträge dieser historischen Ausstellung entsprangen jener vor allem in Turin und Rom emporgekommenen Kunst aus ärmlichen Materialien und improvisierten Formen, der Celant ihren Namen gab und seinen eigenen Stempel aufdrückte: Arte Povera. Er zählt damit, wie auch sein Altersgenosse Kasper König, zu einer kleinen Riege von Bahnbrechern im internationalen Kunstbetrieb, für die sich der Titel besonders einflussreicher „Ausstellungsmacher“ eingebürgert hat.

          Wenn heutige Begriffe zeitgenössischer Kunst seit den sechziger Jahren durch eine Reihe italienischer Namen wie Michelangelo Pistoletto, Mario Merz, Giuseppe Penone, Alighiero Boetti und Jannis Kounellis geprägt sind, dann geht dies wesentlich auf Celants kuratorische Pionierarbeit zurück. Seine Ideen, die er 1967 in einem wirkungsmächtigen Manifest namens „Notes for a Guerilla“ in der Zeitschrift „Flash Art“ publiziert hatte, machte er auch in Institutionen geltend, so als Kurator des New Yorker Guggenheim Museums, als Leiter der Biennale in Venedig und als künstlerischer Direktor der Fondazione Prada. Zuletzt begleitete er die von Christo – noch mit seiner Frau Jeanne-Claude – projektierte Installation „Floating Piers“ an der oberitalienischen Isola di San Paolo. Am 29. April ist Celant in Mailand einer Infektion mit dem Covid-19-Virus erlegen; er wurde neunundsiebzig Jahre alt.

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