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Kunstversicherungen in Museen : Wie finanziere ich die Ausleihe weltberühmter Werke?

  • -Aktualisiert am

Ausstellungen werden für die Museen immer teurer – daran ist nicht nur der Kunstmarkt schuld. Die öffentlichen Häuser können sich von Mäzenen helfen lassen, das hat jedoch Folgen für den Ausstellungbetrieb.

          Das Argument ist immer das gleiche: Immer wenn Rekordergebnisse bei Kunstauktionen für Schlagzeilen sorgen, heißt es, „der Kunstmarkt“ brächte mit diesen Preisexzessen die Museen und Ausstellungshäuser in Not. Denn durch steigende Kunstmarktpreise, so die These, könnten sich Museen keine Sonderausstellungen mehr leisten, weil mit den Preisen auch die Versicherungsprämien für die Kunstwerke anstiegen. Gleichzeitig häufen sich Ausstellungen mit Marktlieblingen wie Vincent van Gogh, Claude Monet oder Gerhard Richter. Was passiert dort? Wer zahlt die Versicherungen? Stimmt die Vermutung, dass sie von extrem solventen Privatsammlern übernommen werden, von denen es heißt, sie übernähmen die Deutungshoheit, die einmal die öffentlichen Häuser hatten?

          Die These, dass der Kunstmarkt die Museen in Bedrängnis bringe, tauchte zuletzt verstärkt in der Schweiz auf, wo mehrere Museen die Einführung einer Staatsgarantie fordern, wie sie in Deutschland und vielen anderen Ländern besteht. Seit letztem Jahr stellt zwar das Schweizer Bundesamt für Kultur Mittel für Versicherungsprämien bereit - unterstützt wurde etwa die große Gauguin-Ausstellung der Fondation Beyeler -, doch reicht das Volumen von 300.000 Franken keinesfalls aus, um alle Ausstellungen von „gesamtschweizerischer Bedeutung“ zu fördern.

          So bleibt die Angst der Schweizer Museen, den Anschluss an den internationalen Leihverkehr zu verlieren, berechtigt. Mit dem Schreckgespenst Kunstmarkt hat das wenig zu tun. Die Lage ist komplex; um zu verstehen, was im Ausstellungsbetrieb passiert, welche Rolle der Markt, seine Preise und private Sammler spielen, muss man zunächst mal von Pauschalverurteilungen „des“ Kunstmarkts absehen und sich die Mechanik des Ausstellungsbetriebs und seiner Versicherungsbedürfnisse näher anschauen.

          Immer mehr Häuser beteiligen sich am Leihverkehr

          Der finanzielle Wert eines Kunstwerks in einer privaten oder musealen Sammlung ist zwar an den Kunstmarkt gekoppelt, und in regelmäßigen Abständen wird die Taxe über Vergleichswerke errechnet und so ein imaginärer Marktwert festgelegt. Doch jedes Kunstwerk ist ein Unikat. Es handelt sich deshalb stets um einen Annäherungswert. Eine einfache Übernahme der Kunstmarktpreise auf die Sammlungen entspricht ferner nicht der Logik der Museen - wieso sollten sie sich den Wert ihrer Bilder vom Markt diktieren lassen? Problematisch wird es, wenn vor allem Privatsammler nach aufsehenerregenden Rekordergebnissen bei Auktionen die Summen nach oben setzen. Eine einheitliche Regelung gibt es nicht.

          Nun müssen Kunstwerke gegen einen Schadensfall versichert werden. Aber wie berechnet man den finanziellen Gegenwert eines Werks von überragender kultureller Bedeutung, das nicht ersetz- oder reproduzierbar ist? Die Verständigung darüber, in welchen Kunstwerken sich eine Zivilisation ihrer selbst versichert, ist eine zentrale Aufgabe der Museen, genauso wie das Sammeln und Bewahren. Zum Bewahren gehört es, im Falle einer Beschädigung eine Versicherung zu haben, die den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen versucht.

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