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Kunstsammlung K20 in Düsseldorf : Der neue Rhythmus

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Meisterschaft des Eigensinns: Der gerade verstorbene Werner Schmalenbach erweckte die Kunstsammlung K20 zum Leben – jetzt wird sie mit einem neuen Erweiterungsbau in Düsseldorf präsentiert.

          Das Traummuseum steht in Düsseldorf. Es öffnet weite Blickachsen und bietet kleine Kabinette als Spannungsräume der Kunst, die trotzdem die Architektur feiern – und das alles bei Tageslicht. Das Düsseldorfer K20 wird heute endlich wiedereröffnet, nach zwei Jahren Sanierung und der lange erwarteten Fertigstellung des Anbaus, der sich an das Hauptgebäude mit seiner geschwungenen Granitwand wie aus einem Guss anschließt.

          Die Tiefgaragenanmutung des Eingangsbereichs ist geblieben, doch jede unwirtliche Ecke des Gebäudes ist nun besetzt von einem zeitgenössischen Künstler: An der Abschlusswand des Paul-Klee-Platzes hat Sarah Morris ein dreißig Meter breites Fliesenmosaik „Hornet“ entworfen. Die leuchtenden Farben ihrer charakteristischen geometrischen Strukturen erleuchten den Hof; das ganze Ensemble vibriert.

          Vertrautes in neuem Licht

          Hatte die Gewohnheit den Blick für diesen besonderen Bau der Kopenhagener Architekten Dissing und Weitling und seine Schätze getrübt, lässt sich jetzt die ganze Raffinesse auch drinnen umso besser erkennen. Die Segel der herrlich sanft geschwungenen Decke wurden erneuert, der Gelbton ist verschwunden. Die Architekten (wieder Dissing und Weitling) haben die Ausstellungsräume noch stärker als fließenden Parcours inszeniert. Es gibt keine überwölbten Durchgänge mehr, die Architektur ist bis zur Decke offen. Die Wände zeigen ein gebrochenes Weiß, das in angenehmes Ocker übergeht. Das Tageslicht bringt Schärfe in die Betrachtung, die verschachtelte Anordnung lässt den Besucher seinen eigenen Rhythmus wählen.

          Was hätte Werner Schmalenbach, der den Begriff des Traummuseums prägte, wohl zum neuen K20 gesagt? Wir werden es nicht erfahren, der Vater der Kunstsammlung ist am vergangenen Dienstag gestorben (F.A.Z. vom 7. Juli). Er weckte das Museum zwischen 1962 und 1990 zum Leben, setzte 1986 den Neubau am Grabbeplatz durch und brachte eine eigensinnige, aber meisterhafte Sammlung zusammen. Im Jahr 1990 versprach dann das Land Nordrhein-Westfalen dem Nachfolger Armin Zweite einen Anbau. Erst zwanzig Jahre später ist nun das kulturelle Herz der Stadt mit K20, Kunsthalle und Kunstverein wieder intakt.

          Davon profitiert die dritte Direktorin in der Geschichte des Museums, Marion Ackermann, die 2009 vom Kunstmuseum Stuttgart nach Düsseldorf wechselte und sogleich für Tumulte sorgte, als sie in der Dependance im Ständehaus Reinhard Muchas Hauptwerk „Deutschlandgerät“ abbauen wollte (F.A.Z. vom 9. Oktober 2009 und vom 15. Februar). Doch mittlerweile kennt Ackermann die Fettnäpfchen, Grenzen und Möglichkeiten. Aber erst die Eröffnung ist ihr eigentlicher Antrittsakt. Ist er gelungen?

          Jackson Pollock trifft Julian Schnabel

          Im K20 hat Marion Ackermann sich behutsam und mit historischem Bewusstsein der Sammlung genähert. Den beliebten „Amerikaner-Saal“ kann man wieder bestaunen, aber in veränderter Zusammensetzung: Dort hängt Pollocks berühmtes Dripping-Gemälde „Number 32“ im Zentrum. Von Robert Rauschenberg hat Ackermann ein sehr frühes Bild ausgewählt, das noch der Malerei verschrieben ist; ein Combinepainting blieb im Depot. Lichtensteins Pinselstrich gastiert allerdings im Kölner Museum Ludwig (F.A.Z. vom 2. Juli). An einer Seitenwand mischt sich ein Neuer unter die Alten Meister: Zwei Bilder von Julian Schnabel beugen einer anachronistischen Anmutung des Raums vor.

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