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Kunstmuseum in Los Angeles : Krach im Spaßmuseum

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Wo ist die Grenze zwischen Kunst und Kommerz? Der Richtungsstreit im Museum of Contemporary Art in Los Angeles geht nicht nur Kalifornien etwas an.

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          Der neue Mann wurde engagiert, um dem problembeladenen Museum einen neuen Dreh zu geben, und jetzt, da er genau das tut, was von ihm zu erwarten war, will die Kontroverse darüber gar kein Ende nehmen. Wie konnte das geschehen? Als Jeffrey Deitch vor zwei Jahren die Leitung des Museum of Contemporary Art in Los Angeles (Moca) übernahm, war er alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Als Galerist in New York hatte er selten einen Trend verpasst und war geübt darin, die verbliebenen, kaum mehr wahrzunehmenden Grenzen zwischen Kunst und Kommerz in einer immerwährenden Partyatmosphäre aufzulösen. Sein Wechsel aus der Verkaufsebene der Kunst in die noch preisschilderfreie, längst aber kommerzbewusste Abteilung geschah also mit Bedacht, seitens seiner neuen Arbeitgeber wie seiner selbst.

          Das Moca, das kurz vorher knapp am Bankrott vorbeigeschlittert war, sah in ihm den Retter. Und Deitch schaffte es denn auch, gleich in seinem ersten Jahr die Besucherzahl zu verdoppeln, von 200 000 auf 400 000. Zurückzuführen war das vor allem auf die Hitschau „Art in the Streets“, ein retrospektives Panorama der Straßenkunst im Graffitilook. Sogar die traditionelle Kunstkritik blieb in diesem Fall freundlich, konnte sich aber mit anderen Darbietungen gar nicht abfinden, am wenigsten mit einer Ausstellung von Arbeiten des einst hauptberuflich als Filmschauspieler tätigen Dennis Hopper.

          Unüberbrückbare Differenzen?

          Offen ausgebrochen ist er vor drei Wochen, der lange schwelende Zwist zwischen Deitchs Gefolgschaft, die in ihm den Show- und Museumsmann epochemachenden Zuschnitts sieht, und seinen nicht minder erregbaren Gegnern, die ihm vorwerfen, als Kunstunterhalter die althergebrachte Rolle des Museums zu beschädigen und es einer oberflächlichen Spaß- und Vergnügungsgesellschaft zur Beute hinzuwerfen. Unmittelbarer Anlass war der Weggang von Paul Schimmel, dem angesehenen langjährigen Chefkurator, dem das Haus einige seiner wichtigsten Ausstellungen verdankt. Während das Zerwürfnis von Deitch und Schimmel noch die gesamte amerikanische Kunstwelt in Atem hielt, sorgte John Baldessari, der Doyen der kalifornischen Kulturszene, für den nächsten Paukenschlag.

          Baldessari legte seine Mitgliedschaft im Museumsdirektorium nieder und bezog sich dabei auch auf den Fall Schimmel. In der „New York Times“ prangerte er „eine Art Unterhaltungsmentalität“ an, die seit Deitchs Amtsübernahme im Moca vorherrsche. Offenbar sind die Differenzen unüberbrückbar. Klagt Baldessari über zu wenig kritische Distanz, begeistert sich Deitch im Voraus über eine Schau, die sich die Aufgabe gestellt hat, den Einfluss der „disco culture“ auf die visuellen Künste zu erforschen. Vor Baldessari nahmen bereits acht Direktoriumsmitglieder den Hut, unter ihnen vier, die sich in der „Los Angeles Times“ zu Wort meldeten, um das „von Berühmtheiten bestimmte Programm“ des Direktors anzugreifen. Übers vergangene Wochenende brachen nun auch Barbara Kruger, Catherine Opie und Ed Ruscha mit dem Museum, und somit muss das Direktorium nun gänzlich ohne Künstler auskommen.

          Zwei Kulturbegriffe stehen sich unversöhnlich gegenüber

          Das Schicksal des New Yorker Galeristen auf dem kalifornischen Museumsthron ist aber keineswegs besiegelt. Deitch, der fortan die „kuratorische Vision“ selbst liefern will, kann sich weiterhin auf den Rückhalt der zwei Vorsitzenden des Direktoriums verlassen. Sie gaben erst vor einigen Tagen eine Erklärung heraus, in der sie sich „zu hundert Prozent“ hinter ihren Direktor stellten und - wie denn nicht - einen Paradigmenwechsel beschworen, der sowohl die Kunst als auch ihr Publikum umfasse. Von Deitch erhoffen sie, dass er „uns in eine neue Ära“ bringe.

          Den vorerst entscheidenden Beistand aber gewährte ihm der Mann, ohne den in Los Angeles museumstechnisch gar nichts läuft: Eli Broad. Der reiche Unternehmer, Kunstsammler und Museumsgründer, der mit einer Dreißig-Millionen-Dollar-Garantie das Moca vorm drohenden Aus bewahrt hat, unterstützt einen Direktor, dem die künstlerische Qualität oder ihr Mangel nicht den Blick aufs Geld und den populären Erfolg vernebeln.

          Vor Deitchs Antritt, so Broad, habe das Museum Ausstellungen gezeigt, die zu viel Geld gekostet und zu wenig Publikum angezogen hätten. Er sprach von hundert Dollar und mehr Zuschuss pro Besucher. Gegen eine solch merkantilistische Aufrechnung hagelte es zwar sogleich Proteste, aber am grundsätzlichen Konflikt vermochten auch sie nichts zu ändern. Zwei Museumsideen und Kulturbegriffe stehen sich unversöhnlich gegenüber, und wohl nicht nur hier. Denn das kalifornische Drama spiegelt sich, in mehr oder weniger ausgeprägten Zügen, in Kulturinstitutionen auf beiden Seiten des Atlantiks. Baldessari jedenfalls fürchtet schon, er könnte der Dinosaurier sein und Jeffrey Deitch die Zukunft: „Aber ich mag’s nicht.“

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