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Kunstmarkt im Ländle : Will Baden-Württemberg Staatsbesitz kaufen?

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Für rund acht Millionen Euro will das Land Baden-Württemberg ein berühmtes Gemälde kaufen; angeblicher Besitzer ist das Haus Baden, das mit dem Erlös das Schloß Salem erhalten will. Doch am Millionendeal ist etwas faul: Wie die Aktenlage beweist, gehört das Bild dem Land bereits.

          Das Land Baden-Württemberg wirbt derzeit bei der Landesstiftung, bei seinen Kultureinrichtungen und bei Sponsoren ungefähr 8 Millionen Euro ein, damit Hans Baldung Griens „unbestritten“ (Ministerpräsident Oettinger) im Besitz des Hauses Baden stehende Markgrafentafel für das Land gekauft werden kann. Doch diese Version wird jetzt durch einen Aktenfund erschüttert.

          Im Generallandesarchiv in Karlsruhe hat der Freiburger Historiker Dieter Mertens in den Akten des Badischen Ministeriums für Kultus und Unterricht ein Schriftstück aufgefunden, welches beweist, daß das bedeutende Kunstwerk bereits vor 76 Jahren in den Besitz des Landes Baden übergegangen ist.

          Das „Drei-Säulen-Modell“ Oettingers

          Es handelt sich um einen handschriftlichen Brief des Markgrafen Berthold von Baden an den Grafen Douglas-Langenstein, der in seinem Namen mit dem badischen Kultusminister Adam Remmele unterhandelte. In dem auf den 18. Februar 1930 datierten Schreiben heißt es, das Großherzogliche badische Haus sei „bereit auf das Votivbild von Hans Baldung Grien zu Gunsten des badischen Staates zu verzichten“. Am 1. April 1930 beschloß der badische Landtag ein Gesetz über die Vereinbarungen zwischen Land und Haus Baden zur Überführung von Kunstobjekten in das Eigentum des Landes.

          Zur Vorbereitung des angestrebten Vergleichs hat Oettingers Regierung ein „Drei-Säulen-Modell“ entwickelt, um zunächst 30 Millionen Euro im Bereich der Kultur einzusparen, mit denen „unbestritten“ im Besitz des Hauses Baden stehende Kunstwerke erworben werden sollen. Damit soll der Erhalt der Anlage Schloß Salem sichergestellt werden. Zunächst verwies die Landesregierung auf ein Rechtsgutachten, das dem Land nahelegte, eine Einigung auf dem Vergleichsweg zu suchen; allerdings hat einer der beiden Verfasser, der Freiburger Rechtsprofessor Thomas Würtenberger, inzwischen vor dem Finanzausschuß des Landtags erklärt, die Expertise beschreibe „eines der möglichen Szenarien, die durch ein Gutachten abgefedert werden sollten“.

          Grundsätzlich bestreiten Rechtsargumente die Notwendigkeit eines Vergleichs mit der markgräflichen Familie, nach denen der Fürstenbesitz spätestens 1919 als Patrimonialeigentum an den Staat fiel. An diesen Einwänden war der ursprüngliche Plan Oettingers gescheitert, die wertvollsten Handschriften der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe zu verkaufen.

          Siehe auch: Kommentar: Mir gebbat nix!

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