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Kunstfälscher-Prozess : Alles war absurd einfach

Zocker gibt es nicht nur in der Finanzwirtschaft. Die Betrüger im größten Fälschungsskandal der Nachkriegsgeschichte haben jetzt gestanden.

          Es ist illegal, mit Kunstfälschungen rund sechzehn Millionen Euro zu verdienen, sich davon eine Villa in Südfrankreich zu kaufen und eine in Freiburg zu bauen. Es ist unmoralisch, mit ergaunertem Geld eine gigantische Party nach der anderen zu veranstalten - und die Tatsache, dass diese sechzehn Millionen Euro vergleichsweise wenig sind im Vergleich zu den Zigmillionen Euro, die andere Experten, Galeristen, Händler und Auktionshäuser mit den insgesamt wohl über fünfzig Fälschungen des Malers Wolfgang Beltracchi umgesetzt haben, macht die Taten nicht weniger illegal.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Man muss das noch einmal betonen - denn selten schlugen den Angeklagten in einem Fall von gewerbs- und bandenmäßigem schwerem Betrugs so heftige Sympathien entgegen wie im größten Fälschungsfall der Klassischen Moderne, in dem es um gefälschte Werke von Max Ernst, Pechstein, Campendonk, Derain und anderen geht; vierzehn Fälle, die noch nicht verjährt sind, werden zurzeit vor dem Landgericht Köln verhandelt. Die Betrüger haben eine Verwüstungsspur durch die Kunstwelt gezogen, wie es sie noch nicht gab: Händler sitzen auf Millionenschäden, Gutachter und scheinbare Kunstkenner sind blamiert, Auktionshäuser wie Lempertz, Experten wie Werner Spies und Händler wie Jacques de la Béraudière sehen sich mit Klagen und Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe konfrontiert. Trotzdem nennt ein Magazin den Hauptangeklagten Wolfgang Beltracchi liebevoll einen „Filou“, die Badische Zeitung findet „die vier jeden auf seine Weise vertrauens-, ja liebenswürdig.“

          Viele dachten, dass der Prozess gegen den Maler und Fälscher Wolfgang Beltracchi und seine Frau Helene, gegen ihre Schwester Jeannette Spurzem und den Komplizen Otto Schulte-Kellinghaus ein langes, mühsames Verfahren werden würde; ein Urteil wurde erst im März 2012 erwartet - jetzt kommt es anders. Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidiger haben sich auf eine Verfahrensbegrenzung verständigt.

          Nach dem Geständnis von Beltracchi am vergangenen Dienstag (Der Kunstfälscher Beltracchi gesteht: Schuld und Sühne) waren es am gestrigen Donnerstag Helene Beltracchi und ihre Schwester Jeannette Spurzem, die umfassend aussagten. Wie erwartet, ging Helene Fall für Fall durch und belastete ihren Mann, den sie „als Künstler bewundert habe und noch bewundere“; er habe „vorgegeben, was zu geschehen habe“. Sie habe es zunächst nicht für möglich gehalten, dass Kritiker und Experten so leicht auf die Fälschungen hereinfallen würden. Alles sei aber „absurd einfach gewesen“.

          Jeannette Spurzem, die nach ihrer jüngeren Schwester ein Geständnis ablegte, stellte sich als Randfigur dar; sie habe bei der Vermittlung der Werke an Lempertz und Attaouarès zwar geahnt, dass es sich um Fälschungen handele, aber nicht gewusst, dass ihr Schwager der Fälscher sei. Nun steht noch Schulte-Kellinghaus' Geständnis aus, das für den 11. Oktober erwartet wird; sein Verteidiger wird alles daran setzen, seine Rolle zu marginalisieren und ihn als bloßen Handlanger Beltracchis darzustellen.

          Integrer kann man sechzehn Millionen nicht ergaunern

          Nach dem jetzigen Stand erwartet Wolfgang Beltracci statt der drohenden Freiheitsstrafe von bis zu zehn höchstens eine von sechs Jahren, seine Frau Helene bekäme etwa vier, Schulte-Kellinghaus maximal fünf Jahre, Helenes Schwester Jeanette würde wohl mit zwei Jahren auf Bewährung davonkommen. Das sind, wenn man die Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung wegen guter Führung und die eines offenen Vollzugs mit einrechnet, sehr milde Strafen - die außer den Geschädigten aber niemand für ungerecht zu halten scheint.

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