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Kunstbiennale Venedig : Neue Hoffnung zwischen den Blumen des Bösen

  • -Aktualisiert am

Am Sonntag eröffnet die 53. Kunstbiennale von Venedig: Zuletzt war die internationale Ausstellung immer musealer geworden. Jetzt überrascht sie mit neuen Räumen - und einem anderen Kunstbegriff.

          7 Min.

          Die Kunstbiennale von 2007 hatte viele Besucher gründlich enttäuscht. Der Kurator und Maler Robert Storr, der damals die Kunstausstellung leitete, hatte die Hallen systematisch in ein Museum verwandelt, das vor allem Malerei zeigte und Kunst als etwas begriff, was an der Wand hängt und schweigend betrachtet zu werden hat. Dieser Musealisierung der Biennale setzt der diesjährige Kurator Daniel Birnbaum das Motto „Fare Mondi / Welten machen“ entgegen - und wie man sich diese Welten denken muss, zeigen schon die Arbeiten, die man als erstes sieht, wenn man die Giardini betritt.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Unter dem Pflaster, hieß es im Mai 1968, liege der Strand - und das, was der amerikanische Künstler John Baldessari auf der Kunstbiennale von Venedig, die am Sonntag für das Publikum eröffnen wird, inszeniert, muss man als Hommage an diese Behauptung und als Versuch lesen, das alte Glücksversprechen in eine Kunstveranstaltung zu bringen, die sich zuletzt gründlich eingemauert hatte.

          Am Ende des Kieswegs, der durch die Giardini auf die protofaschistische Fassade des italienischen Pavillons führte, sieht man jetzt statt eines Pavillons Baldessaris gigantische Fototapete, die den Pazifik zeigt: ein Kunstwerk, das draußen mit der Fassade tut, was solche Fototapeten klassischerweise im Haus machen sollen - nämlich ungeliebte Wände zum Verschwinden zu bringen und wenigstens die Illusion besserer Perspektiven sichtbar werden zu lassen.

          Nicht vor, sondern mitten in der Kunst

          Durch die derart wegtapezierte Monumentalfassade geht man hinein in den Hauptpavillon und direkt auf eine Arbeit zu, die aus der Ferne wie eine filigrane Riesenzeichnung wirkt, sich aber dann als ein Raumkunstwerk aus schwarzen Fäden entpuppt. Der 1973 geborene argentinische Künstler Tomas Saraceno, der mit utopischen Architekturen im Geist von Buckminster Fuller bekannt wurde, hat im großen Zentralraum ein spinnwebhaftes Geflecht eingespannt, das sich zu Kugelformen verdichtet.

          Man wandert durch sie wie durch eine Zeichnung, die soeben auf geisterhafte Weise zum Raum geworden ist, über eine utopische Bühne, deren Stücke noch erfunden werden müssen. Man steht nicht vor, sondern mitten in der Kunst - was programmatisch ist für diese Biennale, die fast alles anders macht als die vor ihr.

          Es ist kein Zufall, dass mit Yona Friedman und Gordon Matta Clark zwei Künstler als historische Referenzpunkte dieser Biennale erscheinen, die in den sechziger und frühen siebziger Jahren kunstvolle Löcher in die Wände rissen, die das Private vom Öffentlichen und die Kunst von der Straße trennten. Es ging darum, Kategorien aufzuweichen, die die gängige Vorstellung von Öffentlichkeit prägten, und „neue Erfahrungsräume“ zu schaffen - was bei vielen Ausstellungen nur schöne Kuratorenprosa bleibt.

          Mobiliar, so unglaubwürdig wie eine Fata Morgana

          Wie könnte so ein Raum aussehen? Der venezianische Zentralpavillon gibt in diesem Jahr gleich mehrere Antworten. Im Erdgeschoss richtete Rirkrit Tiravanija mit Holzelementen, die, um neunzig Grad gedreht, auch Modelle für eine experimentelle Stadt sein könnten, einen skulpturalen Buchladen ein.

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