https://www.faz.net/-gqz-1011a

Kunstausstellung : Dem Wahren, Schönen, Guten?

  • -Aktualisiert am

Für Sklaven, Dienstboten oder unschuldige Opfer ist hier kein Platz: Eine Amsterdamer Ausstellung zeigt attraktive schwarze Menschen auf bedeutenden Bildern der niederländischen Kunst. Bei „Black is beautiful“ ist der Name Programm.

          4 Min.

          Erstaunlich: Sklaven, Dienstboten, unschuldige Opfer von Gewalt oder Bösewichte kommen in dieser Amsterdamer Ausstellung kaum vor. Als ob sie die Wallace Collection in London zum Vorbild erkoren hätten, die ja ausschließlich „pleasing works of art“ umfasst, bieten die Kuratoren in der gotischen Nieuwe Kerk einen neuen und ungewohnten Blick auf die Darstellung von Farbigen in Malerei und Skulptur. „Black is beautiful“, verheißt der Ausstellungstitel, das klingt reißerisch und sehr marketingorientiert, beschreibt aber gleichwohl das Konzept ziemlich präzise: Nur schöne, starke und gute schwarze Menschen sind auf zahlreichen bedeutenden Bildern der niederländischen Kunst vom Mittelalter bis in die unmittelbare Gegenwart zu sehen.

          Eine Premiere also in der Geschichte von Schwarzen in der Kunst. Systematisch erforscht wird sie auf Initiative der amerikanischen Mäzenin Dominique de Ménil seit langem im Warburg Institute und in der Harvard University, die „The image of the Black in Western Art“ veröffentlichte. Um Diskriminierung unter anderem der Schwarzen ging es dann bei der Whitney-Biennale 1993 in New York, die ein legendärer Höhepunkt der Political Correctness wurde und vor allem an das Empörungspotential der Museumsbesucher appellierte. Nur noch biedere Didaktik war es dagegen, als Fred Wilson vor fünf Jahren bei der Biennale in Venedig devote Mohrendiener auf alten venezianischen Gemälden im amerikanischen Pavillon präsentierte und davor einen afrikanischen Händler – keinen echten natürlich – mit nachgemachten Prada-Taschen setzte. Unter Karel van Manders elegantes äthiopisches Königspaar im Kasseler Schloss Wilhelmshöhe hatten Roger M. Buergel und Ruth Noack bei ihrer Blockflötenlehrer-Documenta im vorigen Jahr die Porträts schwarzer Jugendlicher von Kerry James Marshall gehängt – auch dies ein kaum aufrüttelnder Erkenntnisgewinn.

          Einfach nur schön

          In Amsterdam wird nun der reine kunsthistorische Blick zelebriert: Allein um prachtvolle Bilder mit attraktiven schwarzen Menschen geht es hier – so ähnlich könnte eigentlich aber auch eine Ausstellung über ansehnliche Rothaarige ausschauen. Das mehr als traurige Schicksal vieler Schwarzer wird nur am Rande auf einigen Terminals zum Thema. Aber immerhin sind frühe und sehr ergreifende Illustrationen zu „Onkel Toms Hütte“ zu sehen. Nur im Katalogtext zu Reinier Vinkeles entzückender Radierung (nach John Gabriel Stedman), die eine Sklavenfamilie vom Stamme Loango „in stillem Glück“ zeigt, liest man dagegen von schauerlichen Folterungen, die Stedman ebenfalls zum Sujet seiner Grafiken machte.

          Wer sich trotz einigen Zögerns und mancher Fragen zum weitgehend kontextfreien Programm auf diese Ausstellung einlässt, wird durchaus belohnt. Das beginnt mit exquisiter spätmittelalterlicher Buchmalerei wie dem berühmten Spiegel Historiael des Jacob van Maerlant, wo ein tapferer Gegner von Karl dem Großen geschildert wird, und in anderen Handschriften haben Engel oder einer der drei das Christuskind anbetenden Könige einen beseelten Auftritt.

          Weitere Themen

          Schwarze Titelseiten in Australien Video-Seite öffnen

          Ruf nach Pressefreiheit : Schwarze Titelseiten in Australien

          Einige der großen Tageszeitungen in Australien erschienen am Montag mit geschwärzten Titelseiten. Damit wollten die Blätter nach eigenen Angaben auf die australische Gesetzgebung aufmerksam machen. Diese erschwere Journalisten die Arbeit, biete keinen ausreichenden Schutz der Pressefreiheit und lasse etwa die Durchsuchung von Redaktionsräumen zu.

          In seiner Welt steht die Zeit still

          Delfter Maler Pieter de Hooch : In seiner Welt steht die Zeit still

          Lange Zeit stand er im Schatten Vermeers, jetzt können wir seine meisterhaften Stadtbilder und Innenräume neu entdecken: Das Museum Prinsenhof in Delft zeigt das Lebenswerk des niederländischen Barockmalers Pieter de Hooch.

          Topmeldungen

          Kurze und höchst umstrittene Amtszeit: Stefan Jagsch spricht vor dem Gemeinschaftshaus in Altenstadt-Waldsiedlung.

          Nur einen Monat im Amt : NPD-Ortsvorsteher nach Eklat abgewählt

          Die Wahl eines NPD-Parteimitglieds zum Ortsvorsteher im hessischen Ort Altenstadt hatte bundesweit für Empörung gesorgt. Nun wurde Stefan Jagsch wieder abgewählt. Er fechtet die Entscheidung an – und versammelt einige Unterstützer hinter sich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.