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Kunstarchiv in Köln : Kann das weg?

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Eine Stadt ist kein Museum. Denkmäler und Statuen sollten deshalb regelmäßig ausgetauscht werden - fordern zwei Kunstrecycler. Für das Feldprojekt „Archiv für ungenutzte Kunst“ überprüft Köln nun seine Kunst im öffentlichen Raum.

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          “Ganz klar nein!“ - Die Frage, ob sie vielleicht den Rat der Stadt Köln ausgetrickst und diesem ein verdecktes Kunstprojekt abgetrotzt haben, verneinen Markus Ambach und Kay von Keitz mit Nachdruck, auch wenn sie während des zweistündigen Interviews im Café des Kölner Museums für Angewandte Kunst immer wieder schelmisch gegrinst haben. Kunstrecycling als folgenloses künstlerisches Projekt, das entwerte ihr Anliegen, meint Ambach: „Wir wollen tatsächlich auf Urteile hinarbeiten, die drastisch sein können, aber auch umgesetzt werden.“ Meinen die beiden es wirklich ernst mit ihrem „Archiv für ungenutzte Kunst“? Wollen sie tatsächlich ungeliebte Stadtkunst in einem Depot entsorgen?

          Viele Orte stehen heute vor der Frage, wie sie mit der Kunst im öffentlichen Raum umgehen, die jahrzehntelang akkumuliert wurde. Hat jeder Betonerguss und jedes Stahlgeknote ein Daueraufenthaltsrecht? Wann ist ein Raum überladen mit Kunst? Muss eine Stadt nicht immer wieder Platz schaffen für neue Werke? Ist sie andererseits nicht verpflichtet, die Objekte besser in Schuss zu halten? Einer programmatischen Antwort geht man dabei meist aus dem Weg, entzünden sich doch schon an der Infragestellung einzelner Objekte ganze Kulturkämpfe, wie sich gegenwärtig etwa in Frankfurt am Main zeigt, wo das Kulturdezernat (eine Außenstelle der Occupy-Bewegung?) Ottmar Hörls Euro-Skulptur aus dem Stadtbild verschwinden lassen möchte.

          Figurales und Populäres hat in Köln eine Chance

          Der Kölner Vorstoß, der auf eine Initiative des Kunstbeirats der Stadt zurückgeht, ist daher ziemlich mutig: Die Haltung der Stadt gegenüber Kunst im öffentlichen Raum soll grundsätzlich neu geregelt werden. Ambach und von Keitz, die im vergangenen November die Ausschreibung für die erste, „Feldversuch“ genannte und mit einem überschaubaren Budget von knapp dreißigtausend Euro ausgestattete Phase des Projekts „StadtLabor Köln“ gewonnen haben, sind selbst verwundert über die Aufbruchstimmung in Stadtrat und Kunstszene. Die beiden Kuratoren haben eine Doppelaufgabe. Sie sind zuständig für die grundlegende Konzeption des Gesamtprojekts, deren erste Fassung sie unter dem Titel „Der urbane Kongress“ jetzt dem Kulturausschuss der Stadt Köln vorgestellt haben, sowie für die prototypische Bearbeitung des ersten Planquadrats, das einen guten Teil der Innenstadt umfasst. Es gehe darum, „ganz konkret zu sagen, wo kommt Skulptur A hin, wo Skulptur B, ist Skulptur C noch sinnvoll, muss Skulptur D restauriert werden“. Langfristig sollen durch eine Reihe von Teams sämtliche Kunstwerke im Stadtgebiet - mehr als tausend listet eine an der FH Köln erstellte Übersicht auf - neu in den Blick genommen werden.

          Öffentliche Kunst hat es in Köln nur dann leicht, wenn es sich um Figurales und Populäres handelt: von Claes Oldenburgs abgestürztem Eishörnchen bis zum Millowitsch-Denkmal. Dagegen wird etwa Fletcher Bentons abstrakte Stahlskulptur am Barbarossaplatz - zugegeben: einer der hässlichsten Plätze des Kontinents - in erster Linie für das Ankleistern von Plakaten genutzt, in zweiter Linie als Pissoir. Doch in der Tat: Es wird enger für die Populärfraktion. Das „Röggelchen-Denkmal“, ein metallenes Riesenbrötchen aus Bronze, das allen Ernstes Kölner Backtradition in einer globalisierten Toastbrotkultur hochhalten soll, darf nun zumindest nicht vor dem Stadtmuseum errichtet werden, wo man derartige Kunst in der Vergangenheit gern ablud: Oben auf dem Turm klebt - seit zwei Jahrzehnten nicht wegzubekommen - das plumpe goldene Flügelauto von HA Schult, dem führenden Kunstclown der Stadt.

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