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Kunst : Vor Skifahrern wird gewarnt

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Die Rätselbilder Andreas Slominskis schäumen kitschbunt in Acryl und Styropor im Frankfurter Museum für moderne Kunst. Man kann sich dabei etwas denken, es aber auch lassen. Thomas Wagner hat sich die Ausstellung angeschaut.

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          Wo sind die Skier? Das ist, nein, das kann keine ernstgemeinte Frage sein, nicht bei Andreas Slominski, der den „ski“ in seinem Namen schon vor Jahren entdeckt hat, als er - mitten im Sommer - im Frankfurter Osthafen als „Slomin-ski“ in voller Montur auf Brettern unter einem Baum stand. Wenn schon keine ernstgemeinte Frage, so ist es doch der Titel einer neuen Arbeit, die als Auftakt zu der Schau mit dem eigenwilligen Titel „Roter Sand oder ein gefundenes Glück“ die Haupthalle des Frankfurter Museums für Moderne Kunst besetzt.

          Bei der gleich in mehrfacher Hinsicht fraglichen Arbeit handelt es sich um ein veritables Vordach zum Unterstellen, fein und akkurat mit Schiefer gedeckt, obenauf eine kleine Gaube, und mit blitzblanken Dachrinnen, die in zwei Abläufen von den beiden, leicht gegeneinander verschobenen Dachflächen nach unten geführt sind - wie es sich gehört. Stellt man sich unters Dach, so fühlt man sich sofort wohl, weil geschützt. Und schon driftet der ganze Raum, der so weiß ist wie eine Schneelandschaft, in der Vorstellung ab ins Alpine. Für einen Moment liegt Frankfurt dann gleich unterm Jungfraujoch, und die vorwitzig ins Horizontale gebogenen Enden der Regenrinnen - oder gibt es gar so etwas wie Schneerinnen? - lugen ins Weiße wie zwei Skispitzen.

          Von New York nach Hamburg und zurück

          An der Wand gegenüber lehnt eine sehr kleine Glastür, auf der steht: „Wrong Gallery“. Und schon wieder geht das Vorstellen und Denken mit einem durch. Die Tür, im Maßstab 1:6 ist klein, ergo führt sie in keine Galerie oder eben in eine falsche, weil sehr kleine. Wenn man nun weiß - oder in dem kleinen Begleitheft gelesen hat, das jeder Besucher in die Hand gedrückt bekommt -, daß „Wrong Gallery“ der Name einer nur einen Quadratmeter großen Galerie in New York ist, wo Andreas Slominski 2004 ausgestellt hat, so scheint das Ganze wieder ein Stück Wahrscheinlichkeit zurückerobert zu haben.

          Die Beruhigung indes währt nur kurz. Denn die Ausstellung von Andreas Slominski in der „Wrong Gallery“, in jener in New York, sah so aus, daß er die Tür, jene, deren Double nun im Maßstab 1:6 zu sehen ist, ausbauen und innerhalb von vierzehn Tagen nach Hamburg expedieren ließ, wo sie zwei Wochen lang in der Produzentengalerie ausgestellt war, bevor sie wieder nach New York transportiert und in der „Wrong Gallery“ wieder eingebaut wurde.

          Rätsel, Kunstfallen und Schäumchen-Bilder

          Noch komplizierter wird die Sache mit der falschen Galerie und ihrem Modell, wenn man bedenkt, daß sich diese, also die echte „falsche Galerie“ aus New York, seit Ende 2005 in der Tate Modern in London befindet. Völlig irrwitzig aber wird das Ganze, wenn man daran denkt, daß es 1917 in New York eine in nur einer Ausgabe erschienene dadaistische Zeitschrift gab, die Marcel Duchamp zusammen mit seinen Freunden Pierre-Henri Roché und Beatrice Wood herausgegeben hat und den schönen Titel „Rongwrong“ trägt. Auf dem Cover erkennt man ein Streichholzbriefchen mit einer Zeichnung von zwei Hunden, die gegenseitig ihr Hinterteil beschnuppern. Ob das kleine Modell der Tür wohl an derselben Art von Kurzschluß leidet?

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