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Kunst und Populismus : In den Feedbackschlaufen des Zorns

  • -Aktualisiert am

Ende Juli in Leipzig: Der Immobilienunternehmer Christoph Gröner (zweiter von links) ersteigert das Bild „Der Anbräuner“ von Neo Rauch. Bild: dpa

Neo Rauch hat den Kritiker Wolfgang Ullrich in ein Bild verwandelt, das zur Trophäe der neuen Rechten wurde. Ullrichs Buch darüber zeigt, wie in den Kämpfen um Deutungshoheit Kultur, Politik und Ökonomie verschmelzen.

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          Jemand musste W.U. verleumdet haben. Oder umgekehrt. Denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, fand er sich eines Morgens in ein Gemälde verwandelt. „Man beschrieb es mir als eine Art Karikatur, die einen Mann zeige, der mit Exkrementen male“, erinnert der Kunstkritiker Wolfgang Ullrich ein Telefonat mit der Feuilleton-Redaktion der „Zeit“, der dieser gemäldeförmige Leserbrief vorlag. Mit ihm antwortete Maler Neo Rauch auf einen Essay Ullrichs, in dem dieser latent rechte Motive in Rauchs Malen und Denken ausgemacht hatte. „Dieser Mann sei offenbar ich. So sei die mit einem Hitlerkopf und einem Hitlergruß beschriebene Leinwand mit den Initialen ,W.‘ und ,U.‘ signiert.“ Titel: „Der Anbräuner“, ein Wort, mit dem Ernst Jünger 1982 in seiner Dankesrede zum Goethe-Preis die Suche nach rechten Gesinnungen beklagte. Ein Begriff, der in den letzten Jahren wieder in Mode gekommen ist und, nach Ullrichs Beobachtung, an die Stelle des „Besserwessis“ getreten sei.

          Eines der unglaublichsten Aufeinandertreffen von Kunst, Kritik, Politik und Geld seit dem 19. Jahrhundert ist Thema von Ullrichs neuem Buch. Im Mittelpunkt steht er selbst, als Deuter, der von seinen Deutungen ereilt und zum Objekt gemacht wurde – worauf er, nach langem Zögern, wiederum mit einer Deutung antwortet. „Feindbild werden. Ein Bericht“, heißt das Buch (Wagenbach, 144 Seiten, 10 Euro), „Der neue Ost-West-Konflikt“ steht auch drauf, und damit ist nur der kleinere Teil der Einsätze benannt, von denen dieser pünktlich zum dreißigsten Einheitsjubiläum erschienene Band handelt, ohne sie erschöpfend zu behandeln. Der Fall illustriert beispielhaft, mit welchen Waffen und auf welchen Bühnen heute Kulturkämpfe ausgefochten werden, ohne dass die Gegner einander begegnen, ja, ohne dass sie dieselbe Sprache sprechen müssten.

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