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Kunst : Restitution online

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Seit 1943 wurde von den Alliierten der Kunstraub der Nationalsozialisten in ganz Europa dokumentiert. Die Archivalien dieser Provenienzforschung sind jetzt für eine kostenfreie und weltweit zugängliche Datenbank aufbereitet worden.

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          Seit 1943 wurde von den Alliierten der Kunstraub der Nationalsozialisten in ganz Europa dokumentiert, verdächtige Geschäfte mit Kunst eingeschlossen. Es war geplant, nach dem Sieg Sammelstellen einzurichten, in denen sämtliche Kunstwerke, die im Deutschen Reich aufgefunden werden, zuerst einmal auf ihre Herkunft überprüft werden sollten. Dorthin brachte man die Kunstwerke aus allen unterirdischen Depots, die vor Bomben schützen sollten, die Sammlungen der Museen genauso wie die der Nazifunktionäre.

          Die größte dieser Sammelstellen wurde in München in einem Verwaltungsbau der NSDAP am Königsplatz eingerichtet: Der Central collecting point (CCP). Bis 1949 wurden dort mehr als eine Million Kunstgegenstände inventarisiert, die Eigentümer festgestellt und bei Verdacht nach Vorbesitzern gesucht. Bereits im September 1945 begann die Restitution von unrechtmäßig erworbener Kunst.

          Kostenfreie Datenbank

          Die Archivalien dieser ersten systematischen Provenienzforschung zum nationalsozialistischen Kunstraub, aber auch zur Kunstpolitik der Nazis ist jetzt für eine große Datenbank aufbereitet worden, die kostenfrei und weltweit zugänglich ist. Die CCP-Datenbank ist das Ergebnis einer Kooperation des Deutschen Historischen Museums, des Bundesamtes für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen und des Bundesarchivs Koblenz. Sie enthält die Münchner Hauptkartei, die unter anderem diese beispiellose Rückgabeaktion von Hunderttausenden Kunstwerken an ihre rechtmäßigen Eigentümer oder deren Erben dokumentiert sowie 300.000 Abbildungen. Die CCP-Datenbank führt endlich Archivbestände aus drei großen Institutionen zusammen, was die Recherchen für Wissenschaftler oder Erben ungemein erleichtert.

          War es für eine Recherche bisher unbedingt notwendig, zuerst einmal die Inventarisierungsnummer der Alliierten, die sogenannte „Mü.-Nummer“ zu finden - was sehr mühsam war und nicht immer erfolgreich - kann die Spur jetzt erstmals schon aufgenommen werden, wenn man die Abbildung eines gesuchten Kunstgegenstandes, etwa eines Gemäldes, einer Skulptur oder einer Münzsammlung, anklickt. Die CCP-Datenbank ist verlinkt mit der zum „Sonderauftrag Linz“ und mit „Lost Art“, der Suchdatenbank für Beute- und Raubkunst. Sie wird ständig auf den neuesten Stand erfolgreicher Recherchen der Provenienzforschung gebracht.

          Die CCP-Datenbank ist unter http://www.dhm.de/datenbank/ccp zu finden.

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