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Kunst im Kino : Der Maler ist ein Cowboy

Erst im Film werden Maler wie Jackson Pollock oder Frida Kahlo zu wahrgenommenen Popstars. Vor allem die existentiellen Pinselkämpfer liebt das Kino. Eine spannende Berliner Schau untersucht jetzt unser Bild vom Künstler.

          Der Maler schnauft, der Maler kämpft, als sei die Leinwand ein Schlachtfeld und sein Pinsel ein Schwert: Und dann, als die Frau, die er liebt, gerade gegangen ist und „Procol Harums“ „A Whiter Shade of Pale“ aus dem ölverschmierten Ghettoblaster donnert, kommt plötzlich die Farbe über den Maler wie die Welle über einen Surfer.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          In Martin Scorseses Kurzfilm „Lebensstunden“ spielt Nick Nolte einen berühmten Maler, der hin und her gerissen ist zwischen der Hingabe an die Kunst und seiner Geliebten Rosanna Arquette, und wie es das Klischee so will, zieht er aus dem privaten Drama die Energie für seine Kunst, malt besser als je zuvor und findet auf der Vernissage passenderweise gleich noch eine neue Frau. So stellt man sich das Leben der Künstler vor - in Hollywood, in der Populärliteratur, in den Sammlerkreisen, die mit jedem Gemälde auch ein bestimmtes Künstlerbild, einen Mythos kaufen, eine Vorstellung, was Kunst ist und wie sie entsteht.

          Künstlerfiguren in der Endlosschleife

          Um Künstlerbilder, darum, wie die Gesellschaft sich den Künstler vorstellt, und um die Reaktion der Künstler auf die Zerr- und Idealbilder der öffentlichen Kunstwahrnehmung geht es in der Ausstellung „Sexy Mythos“, die in der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst in Berlin gezeigt wird.

          Die Ausstellung beginnt mit einer Arbeit von Christoph Girardet und Volker Schreiner. Die Hannoveraner Künstler haben Filmausschnitte von Künstlerfiguren aus Serien und Spielfilmen zu einer Endlosschleife zusammengestellt: Man sieht Männer, die die Arme verschränken und „I am an artist“ brüllen, man sieht pinselbewaffnete Berserker, die wie die Krieger aus Sandalenfilmen auf Leinwände einprügeln. Man sieht: Kunst als Kampf. Kunst als Eroberung. Kunst als Krieg.

          Der Künstler muß ein Cowboy sein

          Vielleicht ist für das öffentliche Bild vom Künstler kaum etwas so wichtig wie der Film. Was eine breite Öffentlichkeit von Künstlern weiß, ist oft durch die Verfilmung ihres Lebens vermittelt. Die Gesichter von Schauspielern prägen das Bild des Künstlers, von dem oft nicht einmal Fotos existieren; denkt man an Rembrandt, sieht man Charles Laughton vor sich, in das Bild von Van Gogh schiebt sich Kirk Douglas, der 1956 den Maler spielte, und wer Pollock war, ist seit 2000 auch durch Ed Harris' Darstellung in dem gleichnamigen Film geprägt. Umgekehrt fällt durch die Biopics der intellektuelle Glanz vom Künstler auch auf den Schauspieler. Salma Hayek, die 2002 die vom Leben gebeutelte Malerin Frida Kahlo spielte, wird seither als „Charakterschauspielerin“ gefeiert. Auch in Hollywood veredelt Kunst das Image.

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