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Kunst : Geld spielt keine Rolle!

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Den „Tausendkünstler“ Koloman Moser war Illustrator, Möbeldesigner, Entwerfer von Schmuck, Spielzeug und Banknoten, Bühnenbildner, Maler und vieles mehr. Das Leopold Museum in Wien würdigt ihn mit einer sechshundert Werke umfassenden Ausstellung.

          Kein Wunder, dass er schon früh Erfolg hatte. Sein mit grünen Glastränen verzierter Jugendstilschrank von 1900, genannt „Die verwunschenen Prinzessinnen“, die als delikate Intarsien auf den Innentüren erscheinen, sein poetisch stilisierter Stoffentwurf „Blütenerwachen“, ein reizendes Froschkönig-Exlibris für Adele Bloch: das OEuvre von Koloman Moser (1868 bis 1918) ist von Anfang an exemplarisch für die „Seelenkunst“ des Wiener Fin de Siècle, zu der sich junge Künstler wie Moser, Josef Hoffmann, Gustav Klimt, Joseph Maria Olbrich enthusiastisch bekannten. „Die Schönheit und die Kunst ist ihnen nicht eine Verzierung, die man dem Leben von außen sozusagen erst zufügen muss, sondern die einzig wahre Form des Lebens selbst“, schrieb der Kritiker Hermann Bahr über die Freunde.

          Den „Tausendkünstler“ Koloman Moser, der vor allem als Illustrator und Möbeldesigner, aber auch als Entwerfer von Stoffen, Schmuck, Spielzeug, Briefmarken, Banknoten, als Glaskünstler, Keramiker, Gold- und Silberschmied, Bühnenbildner und Maler hervortrat, würdigt das Leopold Museum in Wien derzeit mit einer etwa sechshundert Werke umfassenden Ausstellung - erstaunlicherweise seiner ersten Einzelpräsentation seit 1979. Für seine vielfältigen Fähigkeiten bot Moser einst in einem autobiographischen Text mit sympathischer Bescheidenheit eine einfache Erklärung: Als Sohn des Hausverwalters im Wiener Theresianum, der berühmten Akademie für die Söhne der österreichischen Aristokratie, habe er in seiner Kindheit oft den Dienern und Handwerkern des weitläufigen Anwesens zugeschaut und ihnen alle möglichen Handgriffe „abgelernt“, die ihm später bei seinen kunstgewerblichen Aufgaben sehr nützlich gewesen seien.

          Aufbruch in die Moderne

          „Man war hier noch völlig im Bann der Makartmode mit ihren Gschnas- und Imitationskünsten und ihren staubigen Buketts“, stellte der junge Koloman Moser fest, als er sich schon während seiner Studien an der Akademie der bildenden Künste und der Kunstgewerbeschule in Wien, wo er später als Professor lehren sollte, auf dem freien Markt umsah. Im 1892 entstandenen „Siebenerclub“ und in der gegen den bleiernen Konservatismus und die herrschenden ästhetischen Spielregeln der etablierten Kunstwelt fünf Jahre später gegründeten Wiener Secession propagierten er und seine Freunde dann den großen Aufbruch in die Moderne.

          Mosers berühmte Titelbilder, Illustrationen und ornamentale Textumrahmungen, die er im erlesensten floralen oder linearen Jugendstil für die weitgehend von ihm gestaltete Secessionszeitschrift „Ver Sacrum“ schuf (der „Heilige Frühling“ erschien von 1898 bis 1903), sind eine Augenweide - überhaupt stellt die Mosersche Flächenkunst einen Höhepunkt der Ausstellung dar. Von seinen Möbeln sind die frühen am reizvollsten: ein 1900 entstandener Büfettschrank namens „Der reiche Fischzug“ mit kunstvollen Intarsien der Titeltiere etwa oder der bekannte weiße Armlehnstuhl mit dem Korbgeflechtsitz im schwarzweißen Schachbrettmuster, den Moser für das von Josef Hoffmann entworfene Sanatorium Pukersdorf schuf. Eigentlich wurde dieser ja als „Quadratl-Hoffmann“ apostrophiert, aber Gustav Meyrink machte sich nun auch über Moser lustig: „Ungemein individuell wirkte es, wenn die Würfelnattern stolz betonten, sie seien nicht von Gott erschaffen worden, sondern, wie sich jetzt herausstellte, von Kolo Moser und der Wiener Werkstätte entworfen.“

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