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Kunst : Drei Münder sind drei Augen sind drei Münder

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Sein bekanntestes Werk ist das Logo der Deutschen Bank: Anton Stankowski war Werbegrafiker, Fotograf, Maler, Zeichner und Grafik-Designer. Eine Ausstellung zeigt das Gesamtwerk dieses verkannten Künstlers.

          Er beherrschte die Kunst, Zeichen zu setzen. Sein wohl bekanntestes ist ebenso schlicht wie einprägsam: ein stabiler quadratischer Rahmen - und mittendrin eine dicke freche Diagonale. Solide und dynamisch, beharrend und doch voll Energie - so sieht sich die Deutsche Bank, deren Markenzeichen Anton Stankowski 1974 schuf, bis heute gern.

          Neben dem „Schrägstrich im Quadrat“ stehen viele weitere, mehr oder weniger bekannte Firmenzeichen, denen es allesamt nicht an Prägnanz mangelt. Den Schriftzug „Iduna“ hat Stankowski mit einer Linie abgeriegelt, über die der Punkt auf dem „I“ wie ein lustiger Geselle über eine Hürde springt. Die beiden „s“ im Namen des Heizungsbauers Viessmann hat er übereinandergestapelt wie zwei Heizschlangen, und seine Formmarke für Standard-Elektro-Lorenz sendet permanent schwarzweißgefächerte Strahlen aus.

          Es fesselt das Auge

          Was Stankowski, der Werbegrafiker, Fotograf, Maler, Zeichner und Grafik-Designer zugleich war, auch entwarf, es prägt sich ein und fesselt das Auge. „Gute Zeichen sind einfach und knapp gefaßt, schnell merkbar. Die Wirkungsweise beruht auf dem Erkennen“, stellt er 1968 fest. Doch sosehr seine vielen guten Zeichen das Erscheinungsbild der Bundesrepublik auch mitgeprägt haben, ihr Autor ist noch immer wenig bekannt. Ein Schicksal, das viele Grafiker und Designer teilen, da sich das Wörtchen „angewandt“ in der Kunst noch immer allzuleicht auf „unbekannt“ reimt, auch wenn sich die Sphären der vermeintlich freien und der im Dienste des Kapitals agierenden Kunst derzeit wieder anzunähern beginnen.

          Was Stankowski betrifft, so schafft eine Ausstellung Abhilfe, die zu seinem hundertsten Geburtstag alle Facetten seines OEuvres ausbreitet und beileibe nicht nur einen der Väter des „Corporate Design“ ehrt. Denn in der von der Stuttgarter Staatsgalerie gemeinsam mit der Stankowski-Stiftung realisierten Schau lernt man einen Universalisten kennen, der die Trennung in „autonom“ und „abhängig“ nie akzeptiert hat und sich in Reklame und Konkreter Kunst gleichermaßen tummelte.

          Beginn als Kirchenmaler

          Stankowski, 1906 in Gelsenkirchen geboren und 1998 in Esslingen am Neckar gestorben, beginnt als Kirchenmaler. In den zwanziger Jahren studiert er an der Essener Folkwangschule, wo er als Schüler des Raumgestalters und Werbegrafikers Max Burchartz in Kontakt mit den Theorien der holländischen De-Stijl-Gruppe und des russischen Konstruktivismus kommt. Hier lernt er auch die Fotografie schätzen, die in Essen früher als am Bauhaus auf dem Ausbildungsplan stand, und wie nebenbei wird Stankowski in den folgenden Jahren zu einem der wichtigsten Fotopioniere.

          Seine frühen Gemälde fertigt er in den dreißiger Jahren vornehmlich während der Mittagspause seiner Arbeit in der Zürcher Agentur Dalang an, in die er die Fotografie und die Neue Typographie mitbringt. Die Gemälde stehen im Umkreis der Gruppe „Die Augen“, und obgleich sie oft reine Strukturanalysen sind, wirken sie doch niemals angestrengt. Stankowski ist jede Art von Dogmatismus fremd. Seine Gemälde erproben Konstellationen, die bald auch in seinen angewandten Arbeiten auftauchen.

          Bildimmanente Spannung

          Es sind Progressionen und abstrakte Kräfteverhältnisse, die ihn beschäftigen, immer wieder dynamisiert vom Energischen der Schräge und der von den Russen entlehnten Sicht von oben oder unten. Es ist die bildimmanente Spannung, die ein perspektivisch-diagonal in den blauen Himmel über schneebedeckten Bergen gesetzter Name einer Lüftungsfirma oder eine aus extremer Untersicht aufgenommene Hausfrau auf einem Plakat für eine „Super Bouillon“ erzeugt, die alles bewegt erscheinen läßt. Nichts in dieser Welt der Waren scheint fest gefügt, alles ist veränderbar. In der industrialisierten Gesellschaft haben die Dinge kein Wesen mehr, das nach außen gekehrt werden könnte, sondern sind Teil funktionaler Beziehungen. So wird auch das an sich hermetische Quadrat der Konstruktivisten, das Stankowski immer wieder aufbricht, spiegelt und auf Wanderschaft schickt, Teil einer Syntax und eines funktionalen Zusammenhangs, der über die visuelle Erfahrung auf das Verhalten einwirkt.

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