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Kunst : Die Liste der documenta-Teilnehmer

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Drei Tage vor der offiziellen Eröffnung der documenta 12 hat ihr Leiter Roger Buergel das Geheimnis gelüftet: Die Liste der 113 teilnehmenden Künstler ist seit Mittwoch offiziell. Zum documenta-Standort wurde auch ein Restauranttisch in Barcelona erklärt.

          Drei Tage vor der offiziellen Eröffnung der documenta 12 hat Ausstellungsleiter Roger Buergel das Geheimnis gelüftet: Die Liste der 113 teilnehmenden Künstler ist seit Mittwoch offiziell. Die meisten von ihnen sind wenig bekannt. Sie zeigen in Kassel an mehreren Standorten über 500 Werke, die am Nachmittag für Journalisten erstmals zugänglich waren.

          Gelüftet wurde auch das Geheimnis um den prominentesten Teilnehmer der documenta 12, den spanischen Starkoch Ferran Adrià. Da es unmöglich gewesen sei, seine Küche nach Kassel zu verlegen, erklärte Buergel, habe man kurzerhand sein Restaurant bei Barcelona zu einem documenta-Standort erklärt. 100 Tage lang stünde in „elBulli“ ein Tisch für documenta-Besucher bereit. Die Auswahl erfolge „nach dem bewährten Modell der kuratorischen Willkür“: Die Gäste werden von der künstlerischen Leitung der documenta ausgewählt.

          Moderne, Leben, Bildung, Migration

          Erstmals gab es am Donnerstag den 415 Seiten starken Katalog zu kaufen und ein „Bilderbuch“ ohne Text, in dem Künstler die Arbeiten ihrer Kollegen dokumentieren. Die Ausstellung werde sich im Laufe der 100 Tage kontinuierlich verändern, betonte Kuratorin Ruth Noack. „Es lohnt sich also, mehrmals zu kommen.“ Roger Buergel forderte Besucher und Presse auf, „das Moment der Unentscheidbarkeit, das für viele so schwer auszuhalten ist“ als ein zentrales Gestaltungsmerkmal der documenta 12 zu akzeptieren. Fragen nach den Kriterien seiner Auswahl der Künstler beantworte er nicht: „Das ist schwer auf einen Begriff zu bringen.“ Er habe schlichtweg eine gute Ausstellung machen wollen. Leitmotive waren die Themen Moderne, Leben, Bildung und Migration.

          Fünf Künstler aus verschiedenen Kontinenten präsentierten sich vor weit über 2700 Journalisten auf der mit Spannung erwarteten Pressekonferenz. Die amerikanische Konzept-Künstlerin Mary Kelly berichtete von ihrem „Schock“, als sie den ihr zugewiesenen Ausstellungsraum sah, der komplett pink gestrichen war. „Ich hatte einen Anfall.“ Doch dann habe sie begonnen, mit dieser Vorgabe zu arbeiten und sich unter anderem dafür entschieden, Bilder von Babys zu zeigen. Der palästinensischen Künstlerin Ahlam Shibli, deren Arbeiten in einem jordanischen Flüchtlingslager entstanden sind, geht es um das Thema Heimat, ebenso wie Romuald Hazoumé aus Afrika, der Masken aus Benzinkanistern und Gießkannen bastelt. Der in Chile geborene und in Australien lebende Juan Davila unterstrich die Bedeutung der lateinamerikanischen Kultur für die Kulturgeschichte. Die in Frankreich lebende Argentinierin Alejandra Riera hofft, dass die documenta „neue Wahrnehmungen ermöglicht“.

          Die deutschsprachigen Teilnehmer der documenta

          - Monika Baer, geboren 1964 in Freiburg, lebt in Berlin, Malerin
          - Cosima von Bonin, geboren 1962 in Mombasa, lebt in Hamburg,
          Konzeptkünstlerin
          - Christian von Borries, geboren 1969 in Zürich, lebt in Berlin,
          Musiker
          - Alice Creischer, geboren 1960 in Santa Fe, lebt in Berlin, Malerin
          und Konzeptkünstlerin
          - Danica Dakic, geboren 1962 in Sarajewo, seit 1988 in Düsseldorf,
          Fotografin und Videokünstlerin
          - Ines Doujak, geboren 1959 in Klagenfurt, lebt in Wien, Fotografin
          - Lukas Duwenhögger, geboren 1956 in München, lebt in Istanbul, Maler
          - Harun Farocki, geboren 1944 in Neutitschein (Tschechien), lebt in
          Berlin, Filmemacher und Autor
          - Peter Friedl, geboren 1960 in Oberneukirchen, Österreich, Berlin
          und Wien, Fotograf und Konzeptkünstler
          - Andrea Geyer, geboren 1971 in Freiburg, lebt in New York
          - Olga Neuwirth, geboren 1968 in Graz, arbeitet in Berlin,
          Komponistin
          - Charlotte Posenenske, geboren 1930 in Wiesbaden, gestorben 1985 in
          Frankfurt, Malerin und Bildhauerin
          - Florian Pumhösl, geboren 1971 in Wien, arbeitet in Wien,
          Konzeptkünstler
          - Gerwald Rockenschaub, geboren 1952 in Linz, lebt in Berlin
          - Gerhard Richter, geboren 1932 in Dresden, lebt in Köln, Maler
          - Mira Schendel, geboren 1904 in Zürich, gestorben 1988 in Sao Paulo,
          Konzeptkünstlerin
          - Dierk Schmidt, geboren 1965 in Unna, lebt in Berlin, Maler
          - Andreas Siekmann, geboren 1961 in Berlin, lebt und arbeitet in
          Berlin und Buenos Aires, Maler und Objektkünstler
          - Grete Stern geboren 1904 in Elberfeld/Wuppertal, gestorben 1999 in
          Buenos Aires, Fotografin
          - Hito Steyerl, geboren 1966 in München, arbeitet derzeit in London,
          Videokünstlerin und Autorin
          - Jürgen Stollhans, geboren 1962 in Rheda/Westfalen, lebt in Köln,
          Bildhauer
          - Simon Wachsmuth, geboren 1964 in Hamburg, lebt in Berlin, Maler

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