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Kulturquartier in Köln : Das Geheimnis hinter den Gegenständen

In einem „Klischee-Container“ bombardiert, was Afrikaner von „Zehn kleine Negerlein“ über Lübke bis Scholl-Latour abkriegen, die Sinne: Wie dörflich, dienend, hilfsbedürftig, kindlich, kannibalisch sie sind, wird gefragt und so beantwortet, dass das Vorurteil an der Wirklichkeit zerbrechen. Dann legen die Museumsethnologen ihre Karten auf den Tisch. Die Tradition, Illusion oder gar Anmaßung, eine indigene Kultur „realistisch“ abbilden zu können, wird in Frage gestellt. Den Arbeitsfeldern Forschen, Sammeln, Bewahren und Vermitteln werden die Grenzen aufgezeigt. Der dekonstruierte Yamsspeicher versinnbildlicht auch Bedingtheit und Chance der Interpretation: jede Sammlung ist Auswahl und damit Deutung.

Gottheiten aus Mikronesien, Thailand, Sierra Leone, Guatemala oder Mali: „Ansichtssachen?!: Kunst“ fragt ein großer Saal, der Figuren verschiedener außereuropäischer Kulturen einer ästhetischen Wahrnehmung aussetzt, um sie auf Knopfdruck mit Kontexten zu unterlegen. Die Sichtwechsel führen in die Debatten über Bewertungsfragen und Präsentationsformen zwischen Kunsthistorikern und Ethnologen. Erst danach tritt der Besucher aus „Die Welt erfassen“ in „Die Welt gestalten“: Türen, die, reich verziert und geschnitzt, Visitenkarten abgeben, variieren die Grußformen des Prologs und markieren den Übergang.

Reise in die Zwischenwelten

Ein Europäischer Salon, der sich mit Lüster, Attrappen und Glasschrank als Bühnenbild ausweist, ist die erste Station, doch wer die Schubladen des großen Tisches aufzieht, findet Geschichten über Emigranten, Waren- und Kommunikationswege. Die Nachbarzimmer führen in ferne Welten: in den Empfangsraum, den sich ein reicher Kaufmann zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts in seiner Sommerresidenz in Kayseri eingerichtet hat, zu einem Tipi, wie es Blackfoot-Indianer in den nordwestlichen Plains bewohnten, zu dem sich in die Wüste duckenden Zelt einer Tuareg-Familie in Niger. Weiter hinten ist ein Männerhaus der Asmat aus Westneuguinea aufgebaut, in dem Ahnenpfähle und Feuerstellen sakrale und soziale Lebensbereiche vereinen.

Im zweiten Obergeschoss wechselt die Stimmung, für „Der Körper als Bühne“ wird der Parcours mit Gaze abgespannt und jeder Raum zur luftigen Höhle, in der Kleidung und Schmuck, Turban- und Hüfttuch, Fingernagelschoner aus China und ein Federmantel aus Hawaii Auskunft über Stellung und Status, Herkunft und Heimat geben. Dann hängen weiße Fadenvorhänge die Wegführung ab und öffnen eine gleißende Halle, denn nicht Schwarz, sondern Weiß ist in den meisten Kulturen die Farbe des Todes: Ein Stiersarkophag begleitet ihn in Bali, eine Ofrenda mit Totenköpfen aus Zuckerguss in Mexiko, ein Boot bei den Maori. Statuen und Altäre stehen für die Vielfalt des Glaubens, Rituale öffnen Zwischenwelten, dämonische Mächte in Masken zelebrieren Initiationen und Übergänge. Zum Epilog kehren die Figuren des Prologs zurück: Alle, so grüßen sie zum Abschied, leben in Köln.

In den innenräumlich wenig inspirierenden Hallen hat Jutta Engelhard einen anregenden und abwechslungsreichen Parcours angelegt, der Vertiefungen, Seitenwege, Überraschungen, auch Fußnoten bietet und dabei mitunter - die Szenographie hat das Atelier Brückner (Stuttgart) gestaltet - technisch verspielt und medial überinstrumentiert gerät. Vor allem aber gelingt ein spannender Balanceakt: Zentrale Exponate werden individuell ins Recht gesetzt, so dass sie sich als Kunstwerke bestaunen lassen, ehe sie, etwa durch „eingebaute“ Filme, in denen sie „mitspielen“, in Funktionszusammenhängen zu sehen sind - so kann sich das Geheimnis hinter den Gegenständen auftun.

Der neue Kölner Museumsbau, der zusätzlich zu den 3500 Quadratmetern des Parcours einen 1350 Quadratmeter großen Raum für Sonderausstellungen sowie einen Saal der Volkshochschule mit 350 Plätzen umfasst, hat inklusive der Inneneinrichtung etwas mehr als achtzig Millionen Euro gekostet. Dass er die „Kulturen der Welt“ ins Zentrum holt und das Museum Schnütgen mit der christlichen Kunst daneben als Anhängsel erscheint, lässt sich auch symbolisch verstehen. Die Zukunft des Hauses wird davon abhängen, wie es die vielen Migranten-Communities in der Stadt annehmen werden. Dafür bedarf es mehr als einer Verkehrsberuhigung.

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