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Museen und NS-Raubkunst : Profiteure der Judenverfolgung

  • -Aktualisiert am

Während des NS-Regimes war der Handel mit geraubten Kunstwerken profitabel. Die Fassade des uneigennützigen Verhaltens der Museen scheint jetzt zu bröckeln. Historiker kritisieren die Verjährung bei NS-Raubkunst.

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          Als Franklin D. Roosevelt im Jahr 1939 das New Yorker Museum of Modern Art eine „Zitadelle der Zivilisation“ nannte, konnte er nicht ahnen, dass es eines Tages das Folgende geben würde: Erben, die geraubte Werke zurückverlangen, oder Historiker, die jedes Blatt im Archiv umdrehen - und damit dem Optimismus des Präsidenten der Vereinigten Staaten widersprechen. Roosevelts berühmte Radioansprache war eine Reaktion auf die Verfolgung der Avantgarden in Russland und Deutschland. Was das MoMA in diesen Jahren tat, ist bekannt. Es kaufte zahlreiche Werke, die von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert worden waren. Das Haus gab ihnen in den Vereinigten Staaten also die Museumsöffentlichkeit, aus der sie in Deutschland verbannt wurden.

          Macht das eine Institution zur Zitadelle der Zivilisation? Nein, die Wirklichkeit ist komplizierter, man könnte auch sagen: abgründiger. Als die Columbia University in New York unter dem Titel „Ghosts of the Past: Nazi-Looted Art and Its Legacies“ zu einer Tagung über NS-Raubkunst lud, wurde nämlich deutlich, in welchem Ausmaß einige amerikanische Museen von der Verfolgung jüdischer Sammler, Händler und Galeristen profitierten.

          Museen sind gegenüber den Erben in einer besseren Position

          Was heißt das im Einzelfall? Wer (wie die Autorin dieser Zeilen) zur Tagung eingeladen wurde, um die deutsche Debatte um NS-Raubkunst zu schildern, kann die Mängel des hiesigen Systems klar benennen. Seit dem Fall Gurlitt hat sich zwar viel bewegt; in diesem Jahr stehen sechs Millionen Euro für die Provenienzforschung zur Verfügung, das Zentrum für Kulturgutverluste ist eingerichtet, die gesetzliche Regelung der Verjährungsfristen wird geprüft. Gleichzeitig geraten Erben, die Anspruch auf ein Kunstwerk anmelden, bei Streitfällen noch immer schnell in Sackgassen: Die beratende Limbach-Kommission wird nur dann tätig, wenn auch das Museum einwilligt. Verweigert sich das Museum, haben Erben kaum eine Chance, überhaupt gehört zu werden - es gibt keine weitere Jury, keine Anlaufstelle und kein Gesetz. Zur Limbach-Kommission gehören bisher außerdem keine Personen, die jüdische Organisationen vertreten. Diese und andere Missstände haben wiederholt dazu geführt, dass Erben versuchen, ihren Fall in den Vereinigten Staaten vor Gericht zu bringen - wie etwa jetzt den des Welfenschatzes.

          Die Tatsache, dass in den Vereinigten Staaten geklagt wird, hat zu dem Eindruck geführt, Ansprüche von Erben würden dort grundsätzlich besser berücksichtigt. Dieser Vorstellung widersprachen jetzt zahlreiche Teilnehmer der New Yorker Tagung. Der Historiker Jonathan Petropoulos vom kalifornischen Claremont McKenna College schilderte etwa die Auseinandersetzung mit dem MoMA, das in der Nachkriegszeit drei Werke von George Grosz erwarb. Die Erben von Grosz forderten die Restitution. Als der Fall vor Gericht kam, berief sich das Museum im Jahr 2009 auf die Verjährungsfristen. Und mehr noch: Petropoulos, der als Experte im Prozess für die Erben recherchierte, hatte vom Gericht eine Liste von Dokumenten erhalten, die aus den Archiven des MoMA stammten und die er nach dem Prozess auf Verlangen der Institution vernichten musste.

          Kunst-Erwerb nicht aus reiner Wohltätigkeit

          Auch in den Archiven des Metropolitan Museum of Art stieß Petropoulos kürzlich auf belastendes Material. Theodore Rousseau, der damalige Vizedirektor des Museums, stand in engem Kontakt mit dem NS-Kunsthändler Bruno Lohse, der im besetzten Frankreich den Kunstraub mit organisierte und vor allem für Göring einkaufte. Am 8. April 1959 schrieb Lohse an Rousseau: „Sobald ich wieder mal etwas wirklich Bedeutendes sehe, werde ich Sie benachrichtigen. Ich nehme sicher an, dass mal etwas für Sie Geeignetes dabei sein wird, denn durch mich ist in den letzten Jahren eine ganze Anzahl bedeutender Bilder in amerikanische Museen und Privatsammlungen gelangt.“ In der Nachkriegszeit verkaufte Lohse Werke an die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Ob auch das Met-Museum zu seinen Kunden zählte, wird sich zeigen müssen.

          Die Netze der Profiteure und ihrer Helfershelfer schilderte ebenso der Historiker Marc J. Masurovsky vom Holocaust Art Restitution Project. New York stieg nach 1945 zur Welthauptstadt des Kunsthandels auf, die Handelswege dahin waren zahlreich und raffiniert. Kunst, Gold, Geld oder Juwelen - die Herkunft ließ sich leicht verschleiern. Sie wird erst heute von Historikern oder Anwälten recherchiert. „Die Verjährungsfristen gehören abgeschafft“, schloss Masurovsky. Beigepflichtet haben dieser Forderung längst zahlreiche Museen in Deutschland und den Vereinigten Staaten. Theoretisch. Wer aber sorgt dafür, dass sie sich daran in der Praxis halten?

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