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Koons, Bowie, Schnabel : Das Comeback

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Jeff Koons wird gefeiert, David Bowie ist wieder da, und mit Julian Schnabel schickt sich ein weiterer Achtziger zur Rückkehr an. Die Zutaten für eine solche Wiederauferstehung? Schaut man auf diese drei, bleibt nur eins.

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          Das wirklich Neue ist extrem selten, weshalb wir uns immer wieder von Retro oder Revision ablenken lassen. Vor allem die Kunst steht unter Druck und sucht und hofft und wünscht sich stets nie Dagewesenes. Doch auch wenn wir uns hier umschauen, treffen wir auf mehr Comebacks als Newcomer. Wir haben eine aufwendige Jeff-Koons-Rückkehr erlebt, die an strategischem Raffinement nicht überboten werden kann. Koons tourt um die Welt mit einem ewigen Lächeln und ausgebreiteten Armen, zeigt polierte Rieseneier, überwältigende Skulpturen, die durch ihre schiere Größe, ihren Glanz und ihre Unmöglichkeit beeindrucken sollen. In ihrer glatten Oberfläche spiegelt sich ihr Kunstmarktmillionenpreis. Das sind die Zutaten seines Kunstkonsumversprechens, viel Neues allerdings zeigt er nicht.

          David Bowie dreht zunächst den Spieß um. Sein Comeback funktioniert, weil er sich rarmacht, weil er sich immer neu erfunden hat. Seine Rückkehr war jedes Mal die der Veränderung als Konstante. Inzwischen überwiegt aber auch die Nostalgie bei Bowie: Das Cover zitiert das einer alten Platte, in London wird dazu eine Archiv-Ausstellung gezeigt und in der Kunstpresse erscheinen Coverartikel. Koons wiederum zeigte seine Skulpturen zwischen denen vergangener Epochen, auch eine Form der Nostalgie, der Sehnsucht nach einer Vergangenheit, die künstlerisch noch eine Zukunft hatte. Was früher Pop und neu war, kommt heute ins Museum und gilt als „gute alte Zeit“. Und jetzt erwischt es den Nächsten. In den amerikanischen Medien liest man von der „Resurrection of Julian Schnabel“.

          Julian Schnabel! Der nächste Achtziger? Damals war er einer der bestbezahlten Künstler, bis die Wirtschaft schwächelte. Er also feiert sein Comeback? Dabei hat er doch schon seit Jahren immer wieder im Film und in der Kunst die weiße Fahne geschwenkt, ein Comeback à la Koons oder Bowie wurde daraus nicht. Absurderweise sind besonders seine Filme dafür immer noch zu neu, zu ungewöhnlich, zu sperrig. Zwei Ausstellungen in New York sind nun jedoch geplant. Was also sind die notwendigen Zutaten für eine Wiederauferstehung? Schaut man auf diese drei, bleibt nur eins: Mach’ nichts neu, sondern recycle das Alte. Sei nostalgisch. Wie Eric Fischl einst über Julian Schnabel sagte: sei „peinlich romantisch“.

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