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Konrad Klapheck zum 80. : Maschinen, die ich liebte

Bei Konrad Klapheck verschmilzt der Mensch mit der Maschine. Längst zählt das Werk des Düsseldorfer Malers zum internationalen Kunstgut.

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          Er ist unser Mann an den Maschinen, der deutsche Maler Konrad Klapheck. Längst freilich zählt sein Gerätepark zum internationalen Kunstgut. Am Anfang, im Jahr 1955, war für ihn die Schreibmaschine, es war eine „Continental“. Zum ersten in der langen Reihe seiner Objektbilder, die seither folgen sollten, taugte nicht so ein transportables Modell wie die leichtlebige „Erika“ oder „Gabriele“. Und eher noch bedeutungsschwerer sind diese Hybride aus Wirklichkeit und Phantasien im Lauf der Zeit geworden.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Sie bescheren den Betrachtern in ihrem Changieren zwischen scheinbar objektiv dargestellter Dingwelt und symbolischer Aufladung eine Begegnung mit dem Unheimlichen, in dem - schon gar seit Freuds gleichnamiger Schrift - das Vertraute lauert.

          Wie schreckliche Eltern, Geschwister oder Ex-Geliebte marschieren die Geräte auf. Ganz schlimme Finger sind die ragenden Nähmaschinen; ihre Nadeln bewegen sich in gefährlicher Nähe sadistischen Antriebs. Auch Schnürstiefeletten oder Reißverschlüsse verheißen nichts Gutes, wenn sie ihre Normalgröße verlassen. Maschinen mit Tastaturen und Hebeln, in Metamorphosen wiederkehrend, flirten maliziös mit sensiblen Gemütern.

          Die Titel tun das Übrige. So kann ein rotglühender Körper eindeutig-zweideutiger Formung von einer Art Heizschlange gewürgt werden, was Klapheck 1962 mit „Die Qual der Lust“ bezeichnet. Das ist weder real noch surreal, und abstrakt ist es schon gar nicht; am ehesten läuft es auf eine Art Intellektual-Pop hinaus: wie auch die herrische Schreibmaschine von 1969, die das Frankfurter Städel grade unter dem Rubrum „Der Gesetzgeber“ erworben hat. „Urgefühle“, sagt Klapheck, manifestierten sich in seinen Bildern; er kann diese Emotionen nicht kontrollieren, aber die Formen, in die sie sich ergießen.

          Ließe sich bei den frühen Arbeiten seit Ende der Fünfziger von einer subversiven Erotik reden, mit der allerdings nicht zu scherzen ist, so bricht sich im Spätwerk ein Sexus mit dem Hang zum Drallen Bahn. Dabei bleibt dieses pralle Leben gebändigt in beinah archaischen Posen, die es aus der Gegenwart werfen. Und dass die Frau eine echte Aufgabe für den Mann darstellt, gilt unbedingt. Was so hartnäckig das Unbewusste kitzelt, mag irgendwann dort geschlummert haben. Aber durchlaufen hat es einen akkuraten Kompositionswillen, dafür stehen die großartigen, präzisen Zeichnungen.

          Klapheck hat sich nie einer Herde angeschlossen; er steht in seiner Bedeutung für sich, gleichauf mit Generationsgenossen wie Thomas Bayrle oder auch Gerhard Richter. Geboren ist Klapheck 1935 in Düsseldorf als Sohn des Kunsthistorikers Richard Klapheck, den die Nationalsozialisten 1934 an der Kunstakademie entlassen hatten. Mit seiner Mutter Anna, ebenfalls Kunsthistorikerin, übersteht er den Zweiten Weltkrieg und studiert in Düsseldorf bei Bruno Goller, der ihn zu seinem Weg abseits der Abstraktion ermutigt. Heute kann er seinen achtzigsten Geburtstag feiern. Das genießt er gewiss mit dem hintergründigen Humor, der sein Schaffen und seine Person auszeichnet als ein global verständliches Markenzeichen.

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